Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1882)
- Date
- 1882-02-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Diener und hat das zu vollführe», was s i e bestimmt und für gut findet. Gleichheit des Volkes und seiner Lehrer wollte auch Moses, ebenso wie Korah, aber wie? Nicht so, daß auf den Titel der Heiligkeit hin Wille und Urteil der Menge als maßgebend zu erachten sein, sondern vielmehr in der Art, daß Israel in der Tat ein Volk von Profeten sei und der Geist Gottes, das ist der Geist der Wahrheit und der Geist der Erkenntnis, edle und lautere Gesinnung alle Herzen erfülle, und jeder als ein heiliger Gottespriester dastehe, der von hoher Weisheit erleuchtet ist und nicht an Frevel und Verkehrtheit sein Herz hängt. Seien wir dieses Wortes unseres großen Lehrers eingedenk, suchen wir die' Gleichheit in Israel zu erhalten nicht dadurch, daß wir die Hohen erniedrigen, sondern dadurch, daß wir die Niedrigen erhöhen, seien wir einig in derTreue zu unsernl Gotte, in der Liebe zu unserer Lehre, in der Pflege der wahren Erkenntnis, in in der Uebung edler Taten, in der Vollführung unseres hohen Berufes, in der Bekämpfung des Frevels und in der Verherrlichung der Wahrheit und der Ruhm Israels wird dann in seinem ehemaligen Glanze erstralen und der Name Gottes durch uns geheiligt werden vor den Augen aller Menschheit. Aus dem Leven der Juden in Aravien. Bon vr. A. Stein in Prag. (Schluß) Der Handel war seit den ältesten Zeiten bei den Arabern, als sehr beweglichen Leuten, eine Lieblingsbeschäftigung, aber sie betreiben ihn noch heute in einer Weise, die dem Europäer sonderbar vorkommt. Der Verkäufer giebt niemals den Preis einer Waare an, sondern er fragt immer den Käufer: Was willst du dafür geben? Ist er mit dem Angebot zufrieden, schlägt er zu, wenn nicht, sagt er, gi'eb mehr, und dies so lange, bis der Preis ihm genügt. Die zu den täglichen Bedürfnissen gebrauchten Landesprodukte haben natürlich ihre, jedem Einheimischen bekannten festen Preise, nur der Fremde kommt in Verlegenheit bei dieser Art des Handelsbetriebes, da er imnier meint, er habe zu viel gezahlt, besonders, wenn er die Waare auf das erste Angebot zugeschlagen erhält. Auch ist es jedem Europäer, der in Arabien reisen will, anzuraten, sich hinlänglich mit Scheidemünze zu versehen, da der Araber grundsätzlich auf keine Münze, und wärs ein Goldstück, Etwas herauszahlt. Kaufen und verkaufen will der Araber, aber das Wechseln überläßt er den Juden. Das Einuehmen der Nahrungsmittel geschieht noch ganz in derselben Weise, wie sie in der Bibel und im Talmud dargestellt wird. Brod von reinem Weizen, selbst von reiner Gerste gehört zum Luxus, gewöhnlich ist es mit Bohnen und Durramehl gemischt urd die ärmere Klasse ernährt sich ausschließlich von Durrakuchen. Diese werden aber täglich frisch gebacken von den Frauen im eignen Hause, die zu diesem Zwecke früh aufsteheu müssen. Das Hauptgetränk zu allen Tageszeiten ist Kahwah. Dieser wird aber dort nicht von der Kaffeefrucht, unsren Kaffebohnen bereitet, welche sämmtlich für den Export aufbewahrt werden, sondern es wird von der fleischigen, saftigen Hülle der Kaffefrucht ein Aufguß bereitet, der röthlich ist, etwas süßlich schmeckt und narkotischer wirkt, als unser Kaffee. Bon einem Zusatz von Milch oder gar Zucker weiß man dort