Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1882)
- Date
- 1882-02-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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27 über Alles geht, denen es niit ihrem Gottessinne voller und heiliger Ernst ist, Priester, die nicht etwa nur dem Namen nach dies sein wollen, sondern in der That auch die höhere Erkenntnis nähren und pflegen und treue Diener Gottes sind, sich nicht beirren und entnmügeit lasse» durch die Ungunst der Zeiten und durch etwaige Mißerfolge ihres reinen und edlen Strebens. Ahron war allerdings ein Mann des Friedens, er vermied es, gegen die rohe Gewalt und die unsinnige Verkehrtheit vergeblich anzukämpfen; Israel wollte statt des unsichtbaren Gottes einen tobten Götzen anbeten, er störte es nicht in diesem Verlangen, nachdem ja jeder Widerspruch von seiner Seite ihr trotziges Beginnen nur gefördert Hütte, aber wie sehr er in seinem Herzen solches Unwesen verabscheute, das zeigte sich ja, sobald nur der Mann da war, der mit kräftiger Hand demselben zu steuern vermochte. Als Moses wieder da war, da waren es Ahron und seine Genossen, die sich einmütig um ihn schaarten und an der Wiedererhcbung des wahren Judentums den tätigsten Anteil »ahmen. Wer so geduldig auszuharren weiß im Dienste der Wahrheit, nicht den Mut und nicht die Hoffnung sinken läßt, wenn auch Verfall und Verderben weithin sich ausgedehnt haben, der ist ein treuer Diener des Herrn, ein würdiger Priester des Volkes. Ahron hat das Rechte geliebt, nicht aber zugleich auch dem Frevel sich zugeneigt, diesen vielmehr aus vollem Herzen gehaßt und gemieden, und deshalb war er wie kein zweiter dessen würdig, daß die Weihe des göttlichen Priestertums auf seinem Haupte ruhe und ihm die Geistesschüze des Judentums zur Obhut und Pflege anvertraut werden. Ist denn aber durch die Einsezuug eines Priesterstandes in Israel auch wirklich in seiner Mitte eine Scheidewand aufgerichtet worden, durch welche der Bruder von dem Bruder getrennt und dem einen ein Vorrang vor dem anderen geschaffen wurde'? Keineswegs. Nach wie vor sollte Israels Streben darnach gerichtet sein, das Ziel seiner hohen Bestimmung zu erreichen, daß das ganze Volk eine Gemeinde von Priestern werde und keiner vor dem anderen etwas voraus habe. An der Weihe, die dem Hohenpriester eingeräumt wurde, sollte das ganze Volk seinen Anteil haben. Die ganze Gemeinde Israels sollte sich, wie das im Pentateuche ausdrücklich bemerkt wird, an den Pforten des Stiftszeltes versamineln, als Ahron in seine Würde eingesetzt wurde, und dadurch bekundet werden, daß die priesterliche Weihe sich auf das ganze Volk erstrecke und alle geheiligt seien, die an den Namen des Einig-Einzigen sich halten und in ihren Taten ihn ehren und verherrlichen, daß Priester und Volk zusammengehören, einander so nahe bleiben sollen, daß ein Unterschied zwischen ihn n in Wahrheit gar nicht bestehe. Das liegt im Geiste des Judentums und darf daher nicht außer Acht gelassen werden; es kommt nur darauf an, auf welche Weise diese Annäherung sich vollzieht, ob nämlich die Männer, die im Besitze der höheren Einsicht und der umfassenderen Kenntnis des Judentums sich befinden, von dieser Höhe herabsteigen und ihre Anschauung den Meinungen und Neigungen anbequemen sollen, denen das Volk sich einmal hingegeben hat, oder ob die umgekehrte Richtung eingeschlagen werdeil soll, so daß das Volk auf die gleiche Stufe des Wissens und der geläuterten Anschauung sich erheben soll, auf der die einsichtsvollen, .wahrheitstrenen Männer des Judentums sich befinden. Ersteren Weg hielt Korah für den rechten; die ganze Gemeinde ist heilig, was sie für gut hält, das ist das Rechte, wer hat da weiter noch zu reden und ans seine tiefere Einsicht, auf sein höheres Wissen sich zu berufen? Der Priester hat sich von der Gemeinde belehren zu lassen, er ist ihr Knecht und nicht Gottes 3*