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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-02-01 · Heft 2 (1.2.1882) · p. Seite 26

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 2 (1.2.1882)
Date
1882-02-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 danken des Judentums das alte Israel seinen besonderen Priesterstand gehabt, dem eine höhere Weihe und Heiligkeit znerkannt wurde und dies im Namen der Religion, die nur ein Recht für Alle kennt und uns lehrt, daß wir als Kinder des Herrn alle in gleicher Weise teilhaft sein sollen seiner väterlichen Liebe und Barmherzigkeit. Israel ist doch eine Brüdergemeinde, jeder ein Heiliger, der Gott nahe steht, und, ruft Korah, was berechtigtdann Ahron und seine Genossen dazu, sich über die Gemeinde des Herrn zu erheben, eine Weihe sich zuzuerkennen, die den andern Israeliten versagt und entzogen ist? Man muß gestehen, daß Korah mit diesem seinem Zurufe an das Volk scheinbar gar nicht so Unrecht hatte. Die Lehre Gottes war zum Eigentume des ganzen Volks geworden; durch die Annahme derselben war Israel der alten Verheißung gemäß eine Gemeinde von Priestern geworden, was soll es also da noch mit dem besonderen Priesterstande, der den Beruf des ganzen Volkes für sich in Anspruch nimmt? Wozu den Männern aus dem Stamme Levi einen Vorzug vor den Angehörigen der anderen Stämine? Indes dürfen wir aber nicht vergessen, daß an diesem Priestertunie des gesammten Israel, ans welches sich Korah berief und auf Grund dessen er jeden Juden zu einem Heiligen stempelte, mehr Schein als Wahrheit, mehr Form als Wesen vorhanden war. Vom Standpunkte des gemeinen Rechtes war zwar die Rede Korah's kauni zu wiederlegen, Israel hatte es verbrieft, daß es als ein Reich von Priestern anzusehen sei, sobald es die Lehren annehmen wollte, die bei Sinai ihm verkündet wurden und dieser Bedingung war es ja auch nachgekommeu. War es aber auch von jenem Geiste der Heiligkeit und Gottergebenheit, der Wahrheit und Treue, der Demut und Rechtschaffenheit, der Erkenntnis und Weisheit erfüllt, der das Gemeine verschmäht und dem Herzeu Weihe und Adel verleiht? So lange es Korahe gab, die sich durch trügerische Schmeicheleien die Gunst des Volkes zu erschleichen, die die Geister zu verblenden, die Gewissen zu verwirren, die Religion zu verfälschen suchten, mit List und Lüge umgingen, Frömmelei und Scheinheiligkeit als das Wesen des Judentums hinstellten, mußten besoüdere Priester in Israel da sein, Männer der Wahrheit, die ein Herz haben für den höheren Beruf Israels, die mit Mut und Ernst das Bessere zu erhalten suchen, die mit der Religion nicht feilschen, den Schaz der rechten Gotteserkenntnis nicht preisgeben und ihn hüten und mit felsenfester Standhaftigkeit dastehen, um den ächten Geist des Judentums vor Verdunklung und Entstellung zu schüzen. Warum, fragen unsere Weisen, wurde in Israel ein besonderes Priestertum eingeführt, nachdem doch das ganze Volk als ein Reich von Priestern gelten sollte, und wie kommt es, daß gerade Ahron, einem Manne aus dem Levitenstamme, die priesterliche Würde übertragen wurde? und sie haben dafür folgende zutreffende Antwort. Israel hatte das Vertrauen, daß es der treue Hüter der ewigen Wahrheit, der unerschütterliche Bewahrer der göttlichen Lehre sein werde, in keiner Weise gerechtfertigt. Ein Volk, das heute für das auf den Höhen des Sinai offenbarte Wort sich begeistert fühlt und morgen an derselben Stelle einem falschen Götzen Altäre aufbaut, ist mit Nichten eine Gemeinde von Priestern. Ist das Herz einmal geteilt, zwiespältig und wankelmütig geworden, daß es eben so leicht dem verderblichsten Wahne sich zuneigt, wie es für die erhabenste Wahrheit sich begeistert, Recht und Tugend liebt, aber zugleich auch an Frevel und Verkehrtheit sein Wohlgefallen findet, dann steht die Religion auf unsicherem Boden, auf schwankendem Grunde.- Das Judentum braucht ganze Männer, die nicht für Alles sich gebrauchen lassen, Männer von fester und tüchtiger Gesinnung, denen die Wahrheit

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