Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-01-01 · Heft 1 (1.1.1882) · p. Seite 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 1 (1.1.1882)
Date
1882-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969684-2969686--0341-2970757
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

22 „Hepp! Hepp"! sang Jstoczy-Lieder und störte den Gottesdienst. Zurückgeschlagen ging er heim, lud drei Gewehre, ihm nach lief die Menge mit dem wüsten Geschrei: „Wir gehen morden, wir schießen die Inden nieder." Seither vergeht dort kein Tag, ohne daß die Juden und ihre Frauen beschinchft und sogar mit Messern bedroht werden. Endlich sah sich die Judengemeinde zu Päsztö genöthigt, eine Deputation an den Minister-Präsidenten Tisza zu entsenden, die er, zu feinem Ruhme und zu unserer Beruhigung sei es gesagt, sehr freundlich empfing und der er auf die Ansprache des Führers erwiederte: „Die unangenehme Nachricht hat mich tief ergriffen; ich werde sofort die strengsten Maßregeln ergreifen, seien Sie ruhig." Welcher Unterschied zwischen der Sprache der ungarischen und der anderer Regierungen! da haben wir wenigstens etwas Semitisches im Antisemitischen! Jetzt wird die Sache vor Gericht verhandelt und ist ein hauptstädtischer Advokat zur Vertretung der Judengemeinde in I'äsztü eingetroffen. — Wie aber, wenn ein Abgeordneter der äußersten Linken — nicht Jstoczy — bereits bei den vor wenigen Tagen erfolgten Eröffnung des Reichstages sich mit den Juden beschäftigte und die Adresidebatte benutzt, um seine Ansichten über den „Antisemitismus" zu entwickeln? Wenn er die Juden auf die Vorgänge in Deutschland aufmerksam macht, wo der Antisemitismus stillschweigend geduldet wird, und sie vor dem Minister-Präsidenten Koloman Tisza warnt, der sie einmal gleich dem General Jgnatieff zur Zeit des Aufruhrs dem wüthenden Volke als willkommene Beute hinwerfen könne, trotzdem sie jetzt regierungsfreundlich und gegen die äußerste Linke gewählt haben? — Doch dieser einer Drohung ähnlichen Apostrophe können wir die Worte eines andern berühmten und hochangesehenen Deputirten und Schriftstellers entgegensetzen, was ich jedoch meinem zweiten Briefe Vorbehalte. — Preßburg, Ende Oktober 1881. Rabb. Dr. David. Eine neue jüdische Seele in Hlußland. In Elisabethgrad hat sich eine neue jüdische Secte gebildet, welche sich an die der Karaeer anzulehnen scheint, mit dem Unterschiede jedoch, daß sie nicht nur die durch den Talmud und das Traditionsjudentum vorgeschriebenen Gesetze und Bräuche verwirft, sondern auch die Bibel nur insoweit anerkennt als sie Moral- und Sittengesetze vorschreibt. Die Mitglieder dieser Secte nennen sich „Brüder". Einer dieser Brüder äußert sich in einem russischen Blatte, er wolle der Welt die Grundprincipien dieser neuen Lehre dartun, damit Alle, die nach Wahrheit dürsten und dieselbe suchen, erkennen mögen wo diese allein nur herrsche, wo Licht, Liebe und Recht seien und wo umgekehrt die tiefste geistige Finsternis, Unwissenheit, Frömmelei und Heuchelei anzutreffen seien. Die Mitglieder gründen ihre religiös-moralische Weltanschauung auf die heilige Schrift unter Abwerfung des talmudischen Staubes, der sich darüber gelagert. Die Genossen dieser Secte haben sich als Brüder zu betrachten. Es ist eine Hauptpslicht dem Nächsten zu helfen und durch Fleiß und Ehrlichkeit sich hervorzutun. Das Gebet soll kurz und einfach sein und nur in einer dem Beter verständlichen Sprache gehalten werden. Geistige Ausbildung und Fortentwicklung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.