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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-01-01 · Heft 1 (1.1.1882) · p. Seite 21

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 1 (1.1.1882)
Date
1882-01-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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21 gefährliche Ideen unter das ruhige Volk zu streuen und die Fakel der Zwietracht zu entzünden. Damit soll wohl nicht gesagt sein, daß diese Aufregung eine allgemeine ist; denn glücklicher Weise haben wir es speziell in Ober-Ungarn mit einem besonders gebildeten Klerus zu thun. Ja wir können überzeugt sein, daß es nur vereinzelte Fälle sind, wo der Seelenhirt sein heiliges Amt mißbraucht; doch steckt das Beispiel bekanntlich an und ein einziger Funke kann oft verhängnißvoll werden. Auch die Freimaurerloge „großer Orint" gibt sich in Hinsicht der antisemitischen Strömung der Sorglosigkeit hin, denn sie hat ein Memorandum, das an sie gerichtet wurde und sie aufforderte, Stellung zu der von Jstoczy angeregten Bewegung zu nehmen und die Partei der Juden zu ergreifen, einfach ohne jede weitere Berücksichtigung zur Kenntnis genommen, weil für sie kein Grund zum Einschreiten vorliege, da doch die von Jstoczy angefachte Aetion in Ungarn auf keinen fruchtbaren Boden gefallen sei. Nichtsdestoweniger laufen traurige Berichte jndenfeindlicher Handlungen von mehreren Orten ein, zum Beispiele von Tolnan, wo zwei Webermeister einen förmlichen Kreuzzug zur Ausrottung der Juden predigen. Bei den dortigen Bewohnern hat sich nämlich der Aberglaube festgesetzt, es werde ani 15. November dieses Jahres ein Judenkind geboren werden, welches erwachsen die Macht besitzen werde, unsichtbar zu sein, das ganze Christenvolk zu vernichten und die jüdische Nation zur herschenden zu machen; da man aber nicht wisse, welcher Familie dieser göttliche Jude entstammen werde, müsse man vor dem 15. November die Juden der ganzen Welt vertilgen. — Ich muß hinzufügen, daß die Behörden sich noch nicht veranlaßt gefunden haben, gegen diesen öffentlich auftretenden Blödsinn einzuschreiten. Auch von der Stadt Losoncz werden feindliche Angriffe auf die Juden gemeldet; doch protestirten die christlichen Einwohner dieser Stadt dagegen und lassen öffentlich erklären, daß die ani Ende des vorigen Monats daselbst vorgefallene Mißhandlung eines harmlosen Juden nicht von den Einwohnern des Ortes, sondern von drei Eisenbahnbeamten geschehen sei, daß hingegen zwischen der jüdischen und christlichen Bevölkerung der Stadt das beste Einvernehmen herrsche und sie in völliger Eintracht leben. Man will also in Uugarn das Odium einer antisemitischen Gesinnung nicht officiell auf sich lasten lassen. — Was läßt sich aber mit den authentischen Berichten aus Päsztö anfangen? Vorgänge, die eben jetzt vor Gericht ausgetragen werden? In Päsztö nämlich, so melden die Blätter, herrscht seit langer Zeit eine rege Agitation gegen die Juden. An der Spitze der Bewegung stehen ein Lehrer und ein Arzt, die schon ain Ostersonntage durch Plakate die Juden aufforderten auszuwandern und die Bürger zur Niedermetzlung der Israeliten anspornten. Der Vorstand der Judengemeinde erstattete dem Stuhlrichter hierüber eine Anzeige, der aber antwortete: „Ich kann nichts thun." Am Samstag vor dem Versöhnungsfest fand eine Schlägerei statt, indem der Arzt Plathy zwischen die vor dem Tempel stehenden Juden hineinfuhr und dabei mehrere niederfuhr, worauf er eine Pistole zog und in den Tempel hinein schießen wollte, woran ihn der Richter kaum hindern konnte. Es wurden ferner die Fenster des Arztes Dr. Lachs eingeschlagen; ebenso eiferte der Stationschef gegen die Juden und übergoß der Notar einen Israeliten mit siedendem Thee und schimpfte dabei auf die Juden los. Der Versöhnungstag erfüllte die dortigen Juden mit großer Angst, da an diesein Tage eine allgemeine Metzelei geplant war. Plathy zog, von Gassenjungen begleitet, singend durch die Straßen und rief: man müsse den Inden den Feiertag verderben; er postirte sich dem jüdischen Tempel gegenüber und schrie:

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