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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-01-01 · Heft 1 (1.1.1882) · p. Seite 20

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 1 (1.1.1882)
Date
1882-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 Nun denn, fährt dieses Blatt fort, der Antisemitismus ist in den nördlichen Comitaten des Landes, eines der wirksamsten Agitationsmittel des Panslavismus geworden. Man wird sich erinnern, daß auch im Jahre 1848 in den slavischen Gegenden der Kampf um die Freiheit mit der Plünderung und Verfolgung der Juden seinen Anfang nahm. Es werden denn auch jetzt die russischen Geschichten gehörig aufgeputzt, dem Volke zur Kenntnis gebracht und dabei werden zum Ueberfluß noch die in's Slavische übersetzten Pamphlete Istoozy's — diesen Helden kennen Sie schon aus einem früheren Brief — schwunghaft kolportirt. Man sollte denken, die Behörden würden eine solche Bewegung nicht unbeachtet lassen; doch können wir ein oberungarisches Comitat nennen, wo ein Stuhlrichter- Adjunkt, der in seiner amtlichen Eigenschaft mit den Bauern in Verbindung stehen niuß, der erste Kolporteur der Schriften Istoczv’s ist. Da man nun die Bewegung so um sich greifen läßt, wendet sie sich mit der Zeit nicht nur gegen die Wucherer, sondern auch gegen die anständigen jüdischen Pächter, welche in Ober-Ungarn eines der wichtigsten und schätzenswertesten Volkselemente repräsentiren. Bei der bekanntlich geringen geschäftlichen Routine unseres Mittelstandes und der Arbeitsscheu des slowakischen Volkes sind die jüdischen Pächter derzeit in Nord-Ungarn so ziemlich die einzigen Regalien- und Grundpächter, ohne ihre Intervention ist es in jenen Gegenden fast unmöglich irgend etwas zu verwerten. Sie sind in Folge dessen ebenso unentbehrlich für den großen wie für den kleinen Grundbesitz, ja auch die ürarischen unddie geistlichen Güter müssen ihre Intervention in Anspruch nehmen, wenn die eigensten und unabweisbaren Interessen der Besitzer nicht außer Acht belassen werden sollen. Ohne die Beweglichkeit und den Unternehmmungsgeist dieser vorgeschobenen Posten des ungarischen Handels mußte in jenen Gegenden jeder commereielle Verkehr und jedweder Export in's Stocken geraten. Gegen diese intelligente und an jener Stelle geradezu unersetzliche Klasse der Bevölkerung wendet sich die von Beamten teils direkt getragene, teils geduldete Agitation, und wir könnten wohl in der Sache mehr Auskunft geben, welche zeigt, daß die Agitation schon bisher ihre Früchte gezeitigt hat und daß man ihr mit aller Strenge begegnen müßte. Allein wenn wir die Sache nicht todtschweigen wollten, so ist es auch nicht unsere Absicht ungebührlich zu alarmiren. Wir haben hier nur die Aufmerksamkeit der berufenen Kreise auf eine Strömung lenken wollen, welche die verhüngnißvollsten Folgen für das Land mit sich führen kann, wenn man ihr nicht rechtzeitig entgegentritt. Daß dieses Blatt mit seinen Ausführungen nicht zu schwarz gesehen, bestätigt zuerst die „Pannonia" aus Ober-Ungarn, die über einen ungarischslavischen Stöcker das folgende berichtet: Ein Bauer aus der Uingebung, der zum heutigen Wochenmarkte nach Leutschau kam, trat in die Handlung eines dortigen allgemein geachteten jüdischen Kaufmanns. Die etwas freche Sprache des sonst unterwürfigen und heuchlerischen Bauers fiel dem Kaufmann auf, und als er ihn darüber zu Rede stellte, fing unser Landmann an, sein politisches „Credo“ ganz unverhohlen auszukramen. „Sie sind nur ein Jude" sprach er „dem gegenüber ich nicht höflich zu sein brauche; Ihr werdet ohnehin bald in Euer Land vertrieben — was Ihr habet, gehört ja uns, so wie das Vermögen der russichen Juden unsern Brüdern in Rußland gehört." Auf diese Auseinandersetzung stellte der Kanfman die Frage, woher er denndie Vorgänge in Rußland so genau kenne. „9htu unser Herr Pfarrer liest und erklärt uns alle Zeitungen." Also der Herr Pfarrer, dessen Aufgabe es wäre, ealmirend auf seine andächtigen Zuhörer zu wirken, bemltzt seinen Einfluß und seine Stellung dazu, uin staats-

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