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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-01-01 · Heft 1 (1.1.1882) · p. Seite 15

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 1 (1.1.1882)
Date
1882-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 eingestanden hatte, von dem Gerichtshöfe unbedingt zum Tode verurteilt. R. Jesaias setzte zwar bald alle Hebel in Bewegung,' um nur seinen Diener von des Henkers Hand befreien zu können, selbst auf die Gefahr, auf einen großen Theil seiner Habseligkeiten verzichten zu müssen. Allein all' seine Bemühungen und Anstrengungen blieben vorläufig fruchtlos. Nach einer Zeit jedoch gelang es ihm durch die Protektion eines hohen Gerichtsherrn, mit dem zu befreunden R. Jesaias sich bestrebt hatte, den Diener A. wenigstens von« Tode zu retten. Eine gänzliche Befreiung zn erzielen hingegen war ihm trotz aller Anstrengungen und Beniühungen völlig unmöglich. Die Entscheidung der Gerichtsbehörde lautete: daß A. wohl von der über ihn bereits verhängten Todesstrafe befreit sei, es müsse ihm jedoch ein Glied vom Leibe abgenommen und der fernere Aufenthalt in der Stadt Frankfurt auf's Strengste untersagt werden. In Folge der Intervention des R. Jesaias jedoch wurde dem A. gestattet, sich selber das Glied, das ihm abgenommen werden soll, zu wählen. Unter Thränen der Freude und der Dankbarkeit ob der ihm gewordenen Begünstigung äußerte sich A., man möge ihm das linke Ohr abnehmen, was auch geschah. Bald nach dieser famosen Operation verließ A. die Stadt Frankfurt und ging nach dem Orient. R. Jesaias wirkte dann noch einige Jahre segensreich in Frankfurt bis er später einem ehrenvollen Rufe nach Krakau folgte. Von Krakau wurde er nach einiger Zeit nach Wien berufen und von da nach Prag. Von 1614 bis 1619 fungirte er als Rabbiner und von 1619 bis 1621 als Oberrabbiner der Prager Gemeinde. Nach der entscheidenden Schlacht am weißen Berge (1621) wurde das Judenviertel Prags von einer Schutzwache besetzt, damit den Juden kein Haar gekrüinmt werde. Zum Andenken an diese kaum geahnte Rettung von der wilden Landesknechtenschaar beging die Prager Gemeinde auf Veranlassung des Obberrabbiners Jesaias Hurwitz den Tag des Einzuges der Kaiserlichen (14. Uarolwsdivan — 10. Nov.) alljährlich halb als Fast- und halb als Festtag. (Gr. Gesch. 10 B. S. 41.) Da den Juden in damaliger Zeit in Folge des dreißigjährigen Krieges in Deutschland keine Ruhe gegönnt war, so entschloß sich nun Jesaias, wie viele andere seiner Zeitgenossen, seinen Rabbinatsposten zu verlassen und nach dem heiligen Lande auszuwandern. Gegen Ende 1621 verließ er Prag und gelangte nach einer dreimonatlichen Reise an einem Donnerstage in Jaffa an. Kaum erhielten die Vertreter der Jaffaer Jsraelitengemeinde Nachricht von der Ankunft des in Israel so hochgeachteten Rabbi Jesaias Hurwitz, als sie ihm ihre Aufwartung machten, und ihm auf das Freundlichste und Ehrerbietigste begegneten. Der Vorsteher (Parnes) der das Glück hatte, diesen frommen Rabbi zu beherbergen, bat ihn, wenigstens iiber Sabbat in ihrer Mitte zu verweilen. Der Rabbi nahm keinen Anstand diesen Antrag zu acceptiren. Der Vorsteher, der zu den reichsten und vornehmsten Männern der Gemeinde gehörte, bestrebte sich sehr, seinem hohen Gaste die größte Aufmerksamkeit zu schenken. „Reb Akiba" so hieß der Parnes von Jaffa, fiihlte sich überglücklich, ob des ihm zu Teil gewordenen Glückes, einen der hervorragendsten Männer in Israel bewirthen zu können. Nachdem aber die Zeit der Trennung herangenahet war, überredete der Vorsteher R. Akiba seinen ehrwiirdigen hochgeachteten Gast, daß er wenigstens noch bis Dienstag dem Tage „alles Guten" in seinem Hause weile. R. Jesaias ließ sich überreden nub willigte ein, noch bis Dienstag im Hause des Parnes zu verbleiben. Als jedoch die Stunde der Trennung, der Aufschub zu leisten

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