Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Bräuche ins Lächerliche zu ziehen. Kann man sich nun einen größer» ChiIul ha Sehern denken?" R. Efraim war auch ein entschiedener Gegner des „Chiluk“, einer von dem 1580 zu Prag verstorbenen Oberrabbiner Jakob Pollak eingefiihrten sophistischen Lehrweise. Während der Zeit, als R. Efraim das Oberrabbinat in Prag inne hatte, wurde der berühmte R. Jesaias Hnrwitz zum Mitglieds des Prager Rabbinatscollegiums ernannt. R. Jesaias Hurmitz. R. Jesaia Hnrwitz (geb. 1570, gest. 1630) Sohn des sehr gelehrten R. Abraham Hnrwitz, stammte ans einer alten gelehrten Rabbinerfamilie und zeichnete sich selbst durch imense Gelehrsamkeit aus. Schon in seiner frühesten Jugend schrieb er Anmerkungen zu seines Vaters Werke „Emek Beracha". Seiner hohen Geistesgaben, wie seiner rigorosen Frömmigkeit halber wurde Jesaias von den größten Gemeinden, wie Posen, Frankfurt a.' M., Krakau, Wien und Prag zum Rabbiner gewählt. Sein Vater R. Abraham Hnrwitz, Schüler des R. Moses Jsserls, war ein Enkel des R. Sabbatai Hnrwitz, Schwiegersohn des im Jahre 1500 in Ofen domicilirenden Nässt Akiba, und hatte sich durch Veröffentlichung mehrerer werthvoller Werke, wie „Emek Beracha“, ,.Jesch Nochlin“ und „Berit Abraham“ einen Namen erworben. Jesaias betrieb seine Studien unter dem 1591 verstorbenen R. Salomon b. Juda Löbisch, Rabbiner in Posen und Lublin, von dem er sich erst kurz vor seiner Verheiratung trennte. (Schelah S. 73). Näheres ist von seiner Jugend nicht bektmnt. So viel ist gewiß, daß der junge Jesaias schon frühzeitig seines großen Talentes wegen allgemein bewundert wurde, und sich seines edlen Charakters halber die Achtung und Liebe seiner Zeitgenossen erworben hatte. Sein erstes Rabbinat war Posen, von öovt. kam er nach Frankfurt a. M., einer der bedeutendsten Gemeinden Deutschlands. Hier hatte er ein reichliches Einkommen und konnte daher ungestört seinen Studien, ohne von drückenden Nahrungssorgen gequält zu werden, obliegen. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend war er von vielen Talmudjüngern, die von allen Seiten herbeiströmten, umgeben. Mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschten sie ans die Worte des frommen und hochbegabten Meisters. Einer seiner Schüler "Namens A. war sein Diener „Schäme»“, den er geliebt und bei jeder Gelegenheit besonders berücksichtigt hatte. Eines Tages wurden dem R. Jesaias Silber und Gold von hohem Werte entivendet. Da alle Nachforschungen vergeblich blieben, so sah er sich genöthigt, der Behörde die gerichtliche Anzeige machen zu lassen. Diese ließ sofort strenge Untersuchungen vornehmen, und es gelang ihr bald auf die Spur zu kommen. Man fand nämlich einige Silberstücke in einem Garten, der einem Verwandten des A. gehörte, vergraben. Das Gericht ließ den Eigentümer jenes Gartens vor das Gericht kommen, und es stellte sich bald heraus, daß der Diner A. es war, der diesen Diebstahl begangen hatte. __ Wie groß, wie unbeschreiblich groß, mögen wohl der Schrecken, die Angst und die Furcht des frommen Rabbi in dem Momente, als ihm diese überraschend traurige "Nachricht zukam, gewesen sein, da er wohl in seiner Klugheit sogleich das Damoklesschwert über dem Haupte seines Dieners schweben sah; denn die dainalige Justiz verurteilte einen Dieb, der einen bedeutenden Diebstahl verübt hatte, zum Tode. In der That wurde auch unser A., nachdem er vors Gericht geladen ward und den begangenen Fehler unter Thrünen der aufrichtigsten Reue