Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 mäßig jeden Freitag nachmittags die Kemea abnahm und der Golem war todt. Einmal jedoch ereignete es sich, daß der Rabbi an einem Freitag von mannigfachen Berufsgeschäften so sehr occupirt war, daß er vergaß, dem Golem die Keinen abzunehmen und das Malheur war fertig. Der Golem wurde tvütend, entwickelte eine staunenerregende aber natürliche Körperkraft und richtete in wenigen Momenten heillosen Schaden an. Man eilte rasch zum Rabbi und theilte ihm das Vorgefallene mit, zum Glücke hatte man in der Alt-Neu-Synagoge noch nicht den Sabbath eingeweiht, daher der Rabbi noch Zeit gewann den Golem unschädlich zu machen.' Er riß ihm rasch die Kemea aus dem Munde und der Koloß stürzte leblos zusammen. Daß Göthe bei Gelegenheit eines Besuches der Alt-Neu-Synagoge dieser ihm mitgetheilten Sage den Stoff zu seiner herrlichen Dichtung „Der Zauberlehrling" entnommen hatte, ist männiglich bekannt. R. Löwe >var der Neffe des berühmten R. Jakob aus Worms, des Oberrabbiners von ganz Deutschland. Er hatte auch drei gelehrte Brüder: Chajim, College des R. Moses Jsserls, Sinai und Simson. Am 22. August 1609 wurde R. Löwe von seiner irdischen Laufbahn im Alter von 84 Jahren abberufen, und auf dem alteu Friedhofe in Prag beerdigt. Ein würdiger Zeitgenosse R. Löwe's war R. David Gans in Prag. Dieser verdienstvolle Gelehrte wurde 1541 in Westphalen geboren. In seiner frühesten Jugend besuchte er die talniudische Hochschule des R. Elieser Treves in Frankfurt a. M. Später kam er nach Krakau, tvo er im Hause des berühmten R. Moses Jsserls freundliche Aufnahme gefunden. Durch Jsserls Anregungen wurde in ihm auch der Sinn für profane Wissenschaften, wie Geschichte, Mathematik Geographie und Astronomie wachgerufen. Gans betrieb auch diese Studien mit heißem Bemühen und wurde in Folge dessen mit den damals beriihmten Fachmännern Kepler und Tycho de Brahe persönlich bekannt. Ungefähr 1564 kam er nach Prag, wo er bis an sein Lebensende verweilte. Von seinen wissenschaftlichen Werken sind die berühmtesten: „Zeraach David“ Annalen von der Schöpfung der Welt bis zun« Jahre 1592, „Magen David“ und „Nechmad Wenaim“ über Astronomie und Geographie. Gans erreichte ein Alter von 72 Jahren, denn er starb am 22. August 1613. Auf seinem Leichenstein ist die einfache Inschrift zu lesen: „Hier ruht der Gelehrte (Chacliai») R. David Gans, Verfasser des Zemach David". Der würdige Nachfolger R. Löwe's im Amte war R. Salomon Efrajim Lenczycz, der sowol als großer Talmudist, wie als ausgezeichneter Redner berühmt war. Ungefähr fünf Jahre vor dem Tode R. Löwe's 1604 kam Lenczycz nach Prag, wo er als Kanzelredner wie als Adlatus des bereits altersschwachen R. Löwe segensreich wirkte. Nach dem Hinscheiden R. Löwe's wurde Lenczycz zu dessen Nachfolger ernannt, welches hochwichtige Amt er bis zu seinem 1619 erfolgten Tode taktil»d würdevoll bekleidet hatte. Seine Predigtsammlungen „Ollelot Efraim“, „Kle jakar“, wie die andern von ihm verfaßten Schriften zeugen von seiner eminenten Gelehrsanikeit, von seinem Scharfsinn und seinem edlem Charakter. In seinem Werke „Amiide Schescli“ S. 21 klagte er über die Unordnung, die in den Gotteshäußern herrschte. Er sagt: Wir sind zum Gelächter und zun« Gespötte in den Augen Andersgläubiger, die oft unsere Gotteshäuser za besuchen pflegen, um zu sehen, wie denn Israel seinen Gott verehrt. Wenn sie nun Augenzeugen der hier obwaltenden Unordnung und Anstandslosigkeit sind, so machen sie sich lustig über Israels Gottesdienst und suchen unsere Sitten und