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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-01-01 · Heft 1 (1.1.1882) · p. Seite 11

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 1 (1.1.1882)
Date
1882-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 Fähigkeiten allein haben wir es zu verdanken, daß es gelungeit ist uns so viele irdische und zeitliche Guter zu erwerben, sondern zu den' wahrhaft frommen gottergebenen bescheidenen und anspruchslosen Menschen, die ein festes unerschütterliches Vertrauen aus die Allmacht Gottes haben, auf jene Macht,, die arm und reich macht, erhöhet und erniedrigt. Er war daher von der Ueberzeugung durchdrungen daß er sein Glück und seinen Wohlstand nicht dem blinden Zufalle und nicht bloß seinen edlen Bemühungen und Bestrebungen, sondern einzig und allein der gütigen Vorsehung zu verdanken habe. In Folge dieses schönen Bewußtseins, wie seines ihm innewohnenden Wohlthätigkeitssinns war er unablässig bemüht und bestrebt das Heil und Wohl der Menschheit im Allgenieinen und das seiner Glaubensgenossen insbesondere nach jeder Richtung hin zu fördern. Wenn er Wunden heilen, Thränen trocknen und gebeugte und gebrochene Herzen aufrichten konnte, fühlte er sich «ibergtücklich. Kein Opfer war ihm zu groß, so es galt den Wünschen der an seine Munifieenz appellirenden Armen zu entsprechen. Er speiste die Hungrigen, bekleidete die Nakten, verheiratete alljährlich verwaiste Mädchen, erbaute Versorgungsanstalten und Hospitäler und schoß bereitwilligst unbemittelten Geschäftsleuten große Summen ohne dafür Zinsen zu nehmen, vor. Ferner ließ er ans eigene Kosten die Judenstadt in Prag pflastern und ein Lehrhaus (Klaus) erbauen, in welchen« R. Löwe b. Bezalel, der nachmalige Oberrabbiner zu Prag, als Rektor thätig «var. Rektor mrd Schüler wurden von ihm reichlich unterstützt. Auch zwei große Synagogen ließ er aus eigenen Mitteln in Prag erbauen, von welchen die eine, die sogenannte „Meisel-Synagoge", die heute noch ein prachtvoller monumentaler Bau genannt zu werden verdient, ihn mehr als 10,000 Thaler gekostet hatte. Selbst zum Ausbau der 1581 eingeweihten Salvadorkirche soll er 100 Thaler gespendet haben. (Gal Ed. S. 17). Als die Judenstadt in Posen 1590 durch eine daselbst ausgebrochene Feuersbrunst eingeäschert wurde, schenkte er derselben den Betrag von 10,000 Thalern. Auch die Krakauer Judengemeinde wurde in einem ähnlichen Falle von ihm mit einem solchen Betrage bedacht. In eben solch großiniitiger Weise unterstützte er häufig die Gemeinde zu Jerusalem. In demselben Maße als er bemüht «var dem Pauperismus zu steuern, «var er auch bestrebt den Frieden in seiner Gemeinde zu fördern und jeden Streit «i««d Hader aus ihrer Mitte zu bannen. Seines edlen und biedern Charakters «vie seines seltenen ja unvergleichlichen Wohlthütigkeitssinnes halber stand er bei beit kaiserlichen Behörden in hohem Ansehen und suchte daher stets seinen Einfluß zu Gunsten seiner oft den härtesten Bedrückungen und Verfolgungen preisgegebenen Glaubensgenossen geltend zu machen. Meisel soll auch vom Kaiser Rudolf für seine hohen Verdienste, die er sich um den Staat erworben hatte den Titel „Kaiserlicher Rat" erhalten haben. Nichtsdestoweniger zeigte sich Kaiser Rudolph gegen ihn undankbar. Meisel hatte nämlich einem Edelmann eine Summe Geldes geliehen und sie sich auf dessen Güter versichern lassen. Der Schuldner «nachte aber den Borwand geltend: daß es gegen das Gesetz sei, liegende Güter an Inden zu verpfänden, und demgemäß erklärte die kaiserliche Kammerkanzlei Meisels Schuldforderung fiir verfallen. — Einst hatte Meisel der kaiserlichen Kasse eine bedeutende Summe vorgeschossen und Silbergeschirr für die Tafel geliefert, natürlich auf Interessen. Aber er erhielt weder die Zinsen noch das Kapital zurück. (Gr. Gesch. 9 B. S. 499). Am 14. Mürz 1601 beschloß Meisel sein thatenreiches mit der Krone der edlen Wirksamkeit geschmücktes Leben, nachdem er z«völf Tage vorher in Gegen-

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