Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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10 dienen. Jokob Saphir kann nicht genng staunen über die großen Ballen und wahren Kamellasten, welche die Leute bergab und bergauf auf dem Rücken tragen, und dabei mehr laufen als gehen. Diese Beschwerden müssen aber getragen werden; denn mit der Sicherheit des Eigentums, zumal der Juden ist es sehr übel bestellt. Jeder muß hier persönlich Wächter seiner Habe sein, sonst ist sie verloren. Der Koran setzt zwar schwere Strafen auf Diebstahl, aber wie Jakob Saphir berichtet, ist es für einen Juden sehr gefährlich, einen Moslem beim Kadi wegen Diebstahls anzuklagen. Der Kosten und Mühseligkeiten ist kein Ende. Der Kadi besteht darauf, der Bestohlene müsse den Dieb stellen, weil dessen Bestrafung von Religionswegen erfolgen müsse. Stellt er ihn nicht, so wird er wegen Verläumdung eines Moslem bestraft, stellt er ihn, so setzt er sich der Rache des Pöbels aus. Nicht ohne tiefe Beschämung gesteht Jakob Saphir, daß es für einen Juden auch den eigenen Glaubensgenossen gegenüber gefährlich sei, für reich zu gelten. Jeder bemühe sich daher, ärmlich zu erscheinen und erfreue sich seiner Habe nur in tiefster Verborgenheit. Die Handwerke werden fast ausschließlich von Juden betrieben. Jakob Saphir fand Schmiede, Goldschmiede, Schlosser, Gerber, Weber, Schneider, Sandalenmacher, Pulver- und Tabaksfabrikanten, denen es an Arbeitern fehlte, um allen Bestellungen zu genügen. Man kann es kaum begreifen, wie ein so unentbehrlicher Bestandtheil der Bevölkerung eine so schmachvolle Unterwürfigkeit erträgt und nicht lieber auswandert, wenn wir nicht wüßten, daß Gewohnheit auch für das Widerwärtigste abstumpft, wenn das Heimatsgefühl zugleich seine Anziehungskraft iibt. (Fortsetzung folgt.) Geschichtsbilder ans der naiistalmndischen Zeit bis auf die Gegenwart (1500—1880). Nach den Quellen bearbeitet von I>r, M. H. Friedländer. Zltordechai Meisel. Eine durch Philanthropie, Herzensgüte, Biedersinn und Charakterfestigkeit hervorragende Persönlichkeit war R. Mordechai Meisel aus Prag,!geb. 1528. gest. 1601). Meisel war in allen seinen Unternehmungen so sehr vom Glücke begünstigt, daß trotz der immensen Geldsummen, die er sowohl in Prag, als in auswärtigen Gemeinden für die Creirung und Erhaltung religiöser Institutionen ^und humanitärer Anstalten, wie für die Linderung und Milderung der Not und des Elends mit vollen Händen und ganzem Herzen gespendet hatte, nach seinem Tode denn doch ein riesiges Vermögen zurückgeblieben ist. An baarem Gelde allein sind 600,000 Mark Silber vorgefunden worden. Mit dem reich begüterten Arzte Isaak Likarz, der Gemeindevorsteher war, stand er in Geschäftsverbindung und nachdem ihm die erste Frau Chawa durch den Tod entrissen wurde, heiratete er die mit den schönsten weiblichen Tugenden und Eigenschaften ausgestattete Frumet Likarz, Tochter des genannten Arztes. Meisel gehörte nicht zu jenen Parvenüs, die sobald sie in den Besitz großer Reichtümer gelangen, init Verachtung auf die Minderbegüterten blicken und mit stolzem Selbstbewußtsein ausrufen: Unfern hohen Geistesgaben und