Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Am letzteren - Platze hat seit 1839 eine europäische Macht, England, festen Fuß in Arabien gefaßt. Man hat große Hoffnungen für die Cultur des Landes auf den Einfluß der Engländer gesetzt, allein bis jetzt ist fast gar Nichts davon in Erfüllung gegangen. Einesteils steht doch diesem Volke sein Handelsinteresse in erster Reihe, andernteils ist das von der englischen Mission angewandte Mittel durch Verteilung von Bibeln und Traktätchen für das Christentum Propaganda zu machen, in diesem Lande fast ganz erfolglos. Der Moslem liest grundsätzlich weiter Nichts, als den Koran und Mohamed hat dafür gesorgt dem Leser seines Buches alle Achtung vor dem Christentum zu benehmen. Für die Millionen, welche die Mission in Arabien kostet, werden daher höchstens einige verkommene Judenseelen erkauft, welche wahrlich kein Segen für die Cultur sind. So ist denn Arabien der europäischen Cultur bisher unzugänglich geblieben. Seine Bewohner, die Söhne Joktans und Jsmaels, wie sie sich im Großen und Ganzen selber bezeichnen, sind ein schöner, kräftiger Menschenschlag, meist hager, schlank und hochgewachsen. Sein Körperbau hat Vieles mit der Natur des wichtigsten Thieres im Lande, des Kamels gemein, seine sehnigen Muskeln, seine Leichtfüßigkeit, seine gegen den Einfluß der Witterung so wenig empfindliche Haut. Die Araber können die anstrengendsten Märsche, zu Pferd, wie zu Fuß, viele Tage und Nächte hindurch machen, dabei die schwersten Lasten tragen und Hunger und Durst aushalten, ohne ihre Gesundheit zu gefährden. Unsere europäischen Krankheiten sind dort ganz unbekannt, aber auch unsere Aerzte mtb Arzneien. Kampf und Jagd, Viehzucht und Handel ist ihre Hauptbeschäftigung, Ackerbau und Handwerke verschmähen sie, überlassen sie den Frauen und den Juden. Da Arabien gar keine Flüsse hat, so ist Baden bei den Männern ungebräuchlich, nur für Frauen giebt es Bäder in geschlossenen Räumen. Dagegen ist das Salben allgemein üblich. Jeden Morgen wird der ganze Kopf sammt Hals mit Oel eingerieben, bei Vornehmen mit Rosenöl, sodaß er glänzt und duftet. Die nur von unten mit Sandalen geschlitzten, oben nackten Füße werden mit einer eigens präparirten Fettigkeit (Schimna) bestrichen, was auf Märschen mehrmals am Tage geschieht. Das Innere des Auges wird mit einer schwarzen, bei Frauen meist röthlichen Schminke gefärbt, wodurch das grelle Sonnenlicht gemildert und die Sehkraft conservirt werden soll. Es ist schade, daß der Reisende JakobSaphir, dessen in hebräischer Sprache abgefaßten Reiseberichten wir viele Daten entnehmen, die Substanzen und die Zubereitungsweise dieser Schminke, die er selbst, wie er versichert, mit gutem Erfolge anwendete, nicht näher angegeben hat. Er sagt nur, daß sie mit einem yölzernen Löffelchen unter das geöffnete Augenlid aufgetragen werde. Die Kleidung der Männer ist mehr auf Schutz als auf Putz berechnet. Die Schneiderkunst wird von den Männern nicht gewürdigt, desto mehr aber von den Frauen. Der Mann trägt ein über der Brust geschlossenes Wollhemd mit kurzen Ärmeln, darüber ein ähnliches über der Brust offenes, ohne Ärmel, ein sehr bauschiges, mit einem Gürtel über den Lenden festgehaltenes Beinkleid, darüber ein bis auf die Füße reichendes Oberkleid von Heller, für Personen geistlichen Standes von weißer Farbe, darüber einen breiten Gurt mit mancherlei Taschen für Schmink- und Salbenbüchschen, für Waffen, Schreibzeug, kurz ein Necessair. Hauptschmuck ist der Turban, den er nie vom Haupte nimmt, außer beim Schlafengehen und woran alle Kennzeichen des Standes und Ranges durch mancherlei Farben, durch Haar- und Federbüsche, durch Silber, Gold und Edelsteine