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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-01-01 · Heft 1 (1.1.1882) · p. Seite 3

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 1 (1.1.1882)
Date
1882-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Recht, beglücket den Unterdrückten, schafft der Waise Recht, führt der Wittwe Streit." Und Jeremias spricht: „Ich habe nicht geredet, spricht der Ewige Zebaoth, der Gott Israels, und nicht befohlen euren Borfahren, da ich sie herauszog aus dem Lande Aegypten, in Betreff des Brandopfers und Schlachtopfers". „Womit soll ich vor Gott treten", so spricht der Profet Micha, „mich beugen vor dem Gotte der Höhe? Hat der Herr denn Wohlgefallen an Tausenden von Widdern, an Myriaden von Oelströmen? Soll ich darbringen meinen Erstgeborenen für meine Missethat, die Frucht meines Leibes zur Sühne meiner Seele? Er hat dir verkündet, o Mensch, was gut ist und was Gott von dir verlangt: Gerechtigkeit üben, Milde und Wohlthun lieben und bescheiden wandeln vor und mit deinem Gotte!" „Mit ihren Schafen und Rindern kommen sie an, den Ewigen aufzusuchen", ruft Hosea seinen Zeitgenossen zu, „sie werden Ihn aber nicht finden, Er ist von ihnen gewichen. Ich verlange nur Rechtschaffenheit und nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis ist besser als Ganzopfer." Und der Psalmist ruft: „Denn du, o Herr, verlangst nicht Opfer, daß ich es gebe, Ganzopfer begehrst du nicht. Die Opfer Gottes sind ein gebrochenes Gemüt, ein gebeugtes, zerknirschtes Herz, Gott, verschmähst du nicht!" So manifestirt sich überall die Profetie als ausgesprochene Feindin des Observanzentums. Der jüdische Religionsgedanke in seiner ursprünglichen Reinheit und Lauterkeit legt auf die Reinheit der Gesinnung und der aus ihr resultirenden That mehr Gewicht, als auf Aeußerlichkeiten und Cermonien. Und hier ist der Punkt, wo die zum Lehramte berufenen Männer, die auf der Höhe der Zcitbildung stehend, in und mit der Zeit lebend, ihre Wirksamkeit, ihre ganze geistige Kraft einzusetzeu haben, um die informatorische Idee der Profetie zu verwirklichen, um Licht zu bringen, wo geistige Oede herrscht, um der reinen, geläuterten Idee des Judentums den Boden zu bereiten. Denn dieses liegt nicht nur im Bereiche ihrer Macht, sondern auch ihrer Pflicht. Es gibt in unserer Zeit keine wichtigere, idealere Aufgabe, keine, die so sehr Menschenwürde und Menschengröße vorraussetzte, als diejenige, bildend, veredelnd und aufklärend auf das Volk einzuwirken. Jnsonders sind die religiösen Führer dazu berufen, das konfessionelle Vorurteil, Haß und Groll zu bekämpfen, Gerechtigkeit und Menschenliebe, Milde und Güte zu verbreiten. Solche Lehren, solche geistige Wahrheiten müssen wirken, wohin sie dringen, wie das Licht der Sonne, denn sie sind Gottes Werk, nur menschlicher Unverstand und Ehrgeiz kann vergängliche Mauern gegen sie aufführeu, aber der nach freier Bewegung ringende Geist wirft sie über den Haufen. Der Geist des neunzehnten Jahrhunderts, dessen Macht nicht mehr zu bändigen ist, fordert gebieterisch Aufklärung, Gewissensfreiheit, Fortschritt, drängt auf Entschiedenheit hin, will keine Halbheit mehr, „wie lange noch wollet Ihr auf zwei Zweigen hüpfen?" Wer in unserer Zeit mit lächerlicher Aengstlichkeit die Anschauungen und Bräuche der Vergangenheit, mögen sie noch so unhaltbar und unzeitgemäß sein, für ehrwürdig und heilig erklärt, wer in unseren Tagen aus lauter Pietät sich an den Kehricht und Schutt, den Koth und das Spinngewebe der Vergangenheit nicht wagt, wer blinden Glauben und stumnien Gehorsam predigt, wer die Mahnung und Forderung unseres Zeitalters überhört, wer im Gehen gehemmt, im geistigen Fort- und Weiterschreiten gehindert ist, „wer endlich in unserer Zeit im Lehnsessel sitzen will, und superklug die Bewegung mit ansieht, und sich nicht mit hineinstürzt, hier aufhält, dort 1*

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