Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1881)
- Date
- 1881-12-01
- Page
- Seite 293 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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293 das Verschreiben der Heilmittel dauert bis nahe an die Mitternachtsstunde und oft auch darüber, >vo ich dann so schwach werde, daß ich kaum mehr zu reden vermag und auf dem Ruhebette liegen muß." Nur am Sabbat bleibt mir Zeit mich mit der Gemeinde und Lehre zu beschäftigen. Ich pflege an diesem Tage die Gemeindeangelenheiten für die laufende Woche anzuordnen und einen Vortrag zu halten. So fließen mir die Tage hin." Solche angestrengte geistige und körperliche Thätigkeit rieb seine Kräfte rasch auf, und er suhlte sie in seinem siebzigsten Lebensjahre gänzlich schwinden. Einige Stunden vor seinem Dahinscheiden (13. Dezember 1204) rief er seine Familie, Frau und Kind, Schwester und Schwager, auch den treuen Aknin, der aus der Ferne herbeigeeilt war, zu sich, segnete jeden Einzelnen mit gefaßtester Seelenruhe und bat sie, um ihn nicht zu weinen. „Unsere Lebenssahre sind siebzig und diese habe ich erreicht." Dann nahm er die Hand Abrahams, legte sie in die des Aknin und sprach zu ihnen: „Gehet so Hand in Hand durch das Leben und wirket vereint zur Ehre Gottes und Israels!" Hierauf legte er die bleiche Hand auf das Haupt des Sohnes und sagte: „Der Herr möge dich in seinen Schutz nehmen. Sorge dafür, daß der Name Maimun auch fürder ein Ehrenname bleibe. Verzeihe du und Aknin meinen Gegnern. Ich bin ein Mensch und kann auch gefehlt haben. Benachrichtigt sie, daß ich vor meinem Tode ihnen Alles vergeben habe. Beherziget, was die Geschichte uns von den zwei berühmteil Lehrern, Älfaßi und Albalia berichtet. Sie standen sich im Leben feindlich gegenüber. Am Sterbebette sprach Albalia zu seinem Sohne: Gehe nach meinem Ableben nach L nee na zu meinem Gegner und melde ihm, daß ich ihm in der letzten Stunde der Versöhnung mit Gott Alles vergeben habe, was er schriftlich und inündlich gegen mich gesündigt, und erwarte, daß er auch mir verzeihen werde. Ich hoffe, Alfaßi wird auch großmüthig den Sohn seines Feindes mit offenen Armen aufnehmen. Albalia starb und der Sohn that, was der Vater ihm befohlen. Und Alfaßi umarmte unter Thränen den Sohn seines Feindes und sagte zu ihm: „Ich will dir fortan Vater sein." Bei diesen Worten erhob Maimuni zum letzten Male die Augen zum himmlischen Vater und verschied. — Nicht nur Kahira, die gesammte Judenheit hatte ihren größten Mann verloren. Seine Leiche wurde in Tiberias auf geweihtem Boden bestattet. Die Trauer um ihn war allgemein. In Jerusalem wurde ein Fasten angeordnet, wobei man ans der Schrift das Strafcapitel und den Raub der Bundeslade las. Seinen Tod betrachteten die israelitischen Gemeinden als eine Strafe, welche über sie verhängt ward; das Thenerste wurde ihnen geraubt. „Von dem Propheten Moses bis zu diesem Moses," riefen sie, „lebte nicht seinesgleichen." Gleich jenem ist auch dieser nicht gestorben. In That und Wort lebt er in der Geschichte Israels fort und fort. Wie jede außerordentliche Erscheinung wurde auch das Leben Maimunis von der Sage vielfach verherrlicht. „Die Begleiter des Sarges seien," erzählt sie. „auf dem Wege von Fostat nach Tiberias von Beduinen angefallen worden; als sie die Flucht ergriffen, konnten die Beduinen den Sarg nicht von der Stelle fortbewegen, diese empfanden daher eine heilige Scheu und schlossen sich in Ehrerbietung dem Geleite an." — In den jüdischen Gemeinden erzählte man sich auffallende Züge aus seinem Lebensgange. „Maimun," berichtete der Eine, „der Vater des Verblichenen, habe mehrmals geträumt, er solle die Tochter eines nicht weit von Cordova wohnenden Metzgers heiraten. Er gab dem Traume nach