Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1881)
- Date
- 1881-12-01
- Page
- Seite 292 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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292 Jbn Nagrela erfüllt war. So oft der Minister an der Seite des Königs vor dem Laden des Krämers vorüberging, konnte dieser die Zunge nicht zähmen, höhnte und schmähte er ihn. Nachdem der König dies mehrmals beobachtet hatte, befahl er einmal in seinem Zorne, dem gehässigen Lästerer die Zunge auszuschneiden. Der jüdische Vezier bat, es ihm zn überlassen, ihn znm Schweigen zu bringen. So oft der Krämer in Noth war, schickte der jüdische Minister ihm Geld, und die Lästerzunge verstummte plötzlich. Wie hast du dies zu Wege gebracht? fragte ihn der König, als der Krämer eines Tages den Minister pries und segnete statt zu fluchen. Ich habe ihm, cntgegiiete dieser lächelnd, laut Befehl die böse Zunge ausgeschnitten und ihm dafür eine gute eingesetzt. Wie wäre es, liebes Kind," sagte Maimuni zu seinem Söhnchen, wenn du einen ähnlichen Versuch machtest, für den Denar Zuckerplätzchen kauftest und sie an deine Feinde vertheiltest, um sie zu entwaffnen? Wohlthaten besiegen den Gegner." Zu des Vaters hoher Geisteskraft und unsterblichem Ruhme konnte zwar Abraham sich nicht emporschwingeu. Aber seine reiche Gelehrsamkeit und sein biederer, sanfter Charakter machte ihn zu einem würdigen Sohne seines großen Vaters. — Nene schwärmerische Verehrer erwarb sich Maimouides namentlich im Lande seines schärfsten Gegners Abraham den David, in der Provence- Mehrers Gemeinden daselbst überhäuften ihn mit wichtigen Anfrage» und fast vergötternden Lobeserhebungen; besonders schauten die Gelehrten Lüne l s mit hoher Verehrung auf ihn und schrieben mehrmals an „den zweiten Moses", der deshalb so hieße, weil er sein Volk aus den Fluten der Unwissenheit gezogen. Sie baten um eine hebräische Uebersetzung seines arabisch geschriebenen „More," denn ihre Seele hinge in Liebe an seinen Schriften, welche sie begeisterten und erquickten. Er verfaßte für sie trotz seiner -Schwächlichkeit und Ueberbärdung sehr lehrreiche Gutachten, die von seiner Verstandesklarheit und seinem Freimuthe ein glänzendes Zeugnis ablegen. In Betreff der Uebertragnng seines Führers empfahl er ihnen den als Meister im Uebersetzen berühmten Samuel Jbn Tibbon in ihrer Gemeinde. - Nach vielen Wirren am Hofe, welche auch Maimuni nicht unberührt ließen gelangte Alafdhal, Saladin's ältester Sohn zur Herrschaft. Dieser war von Maimunis Geist und ärztlicher Kunst sehr eingenommen! er ernannte ihn zum Leibarzt und beauftragte ihn, ein Compendium, Makrobiotik, für ihn behufs einer geordneten und regelmäßigen Lebensweise zu verfassen. Der neue Beruf nahm nun seine ganze Zeit in Anspruch. Welche Last fortan auf seinen Schultern ruhte, schildert er dem Uebersctzer seiner Werke, Tibbon, folgendermaßen: „Die Residenz ist Kahira, und ich wohne in Fvstat, diese Städte liegen zwei Sabbatwege (ungefähr V« Meilej von einander entfernt. Mit dem Sultan habe ich keinen leichten Stand; täglich muß ich mich in der Frühe an den königlichen Hof begeben, um nachzusehen, ob etwa der König selbst, oder eine seiner Frauen, eines seiner Kinder oder sonst Jemand von den höheren Hofbeamten erkrankt sei. Diese Besuche dauern, wenn auch Niemand erkrankt ist, bis Nachmittags. Ist aber Jemand erkrankt, so muß ich noch länger verweilen. Gegen Abend kehre ich sehr ermüdet und abgemattet nach Hause zuriick und finde meine Wohnung von einer Menge Kranken aus allen Ständen, sowohl Juden als Muhamedaner, umlagert, die meine ärztliche Hilfe erwarten. Diese Menge läßt mir kaum so viel Zeit, daß ich vom Zelter steige und etwas Speise zu mir nehme. Dann werden die Kranken vorgelassen und das Befragen nach ihren Umständen, sowie