Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1881)
- Date
- 1881-12-01
- Page
- Seite 290 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969670-2969683--0307-2970717- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
290 „Sie ist in Form eines Briefes geschrieben. Sie lautet: Seitdem du dich, lieber Aknin, an mich gewendet und mir die Absicht kundgegeben hast, meinen Vorträgen beizuwohnen, habe ich dich wegen deines großen Eifers für das Studium hochgeschätzt. Ich ersah auch aus deinen Gedichten, die ich von dir aus Alexandrien erhalten, daß du eine besondere Vorliebe für philosophische Untersuchungen hast. Damals hatte ich deine Fassungskraft noch nicht geprüft und dachte deine Wißbegierde könnte größer als deine Fähigkeiten sein. Ich fand dich aber mit reichen mathematischen Kenntnissen ausgerüstet, so daß du mit gutem Ersolge meine astronomischen Vorträge besuchen konntest .... Als du aber endlich auch die Logik bei mir hörtest, hegte ich vollends große Hoffnung von dir und fand dich würdig, dir die in den prophetischen Schriften enthaltenen Dunkelheiten dergestalt zu enthüllen, daß dir diejenigen Wahrheiten durchschiminerten, die ein vollendeter Denker nicht unbeachtet lassen darf. Ich gab dir nun anfänglich einige Winke; allein du verlangtest eine deutlichere Erklärung von mir und drängest in mich, dir über einige theologische Gegenstände näheren Aufschluß zu geben. Ich sollte dir auch genau erklären, wctrin die Lehrmeinungen der Philosophen bestehen; ob ihre Art zu beweisen überzeugend sei, oder, wenn dies nicht der Fall, auf welcher Ueberzeugungskraft sie sonst beruhe. Ich fand, daß du durch anderweitigen Unterricht auch hiervon schon einige Kenntnis besaßest: allein du warst schwankend und von Unruhe ergriffen, und dein edler Geist verlangte vollkommene Befriedigung. Ich ließ cs daher meinerseits an Zurechtweisungen und Ermahnungen nicht fehlen, ein streng methodisches Verfahren zu beobachten, weil es in meiner Absicht lag, daß du auf sicherem Wege zur Wahrheit gelangen und nicht von Ungefähr darauf gerathen solltest. Deshalb habe ich es auch die ganze Zeit unseres Zusammenseins nicht unterlassen, so oft ein ausfallender, unsere Ausinerksamkeit erregender Bibelvers oder rabbinischer Satz zur Sprache kam, dir die uöthige Erklärung zu geben. Nachdem aber Gott unsere Trennung beschlossen hatte und du deiner Bestimmung gefolgt warst, nahm ich in Rücksicht auf unsere frühere innige Verbindung einen längst aufgegebenen Entschluß wieder auf, dieses Werk für dich und deinesgleichen (so wenige es deren auch giebt,l abzusasseu. Ich habe es in einzelne Kapitel getheilt, lvovou dir jedes, wie es niedergeschrieben ist, nach und nach, wo du auch sein magst, zugestellt werden soll. Lebe wohl!" „Die treue Seele verdient diese öffentliche Auszeichnung," sagte die Frau Geheimsekretür. Aber willst du uns nicht »och Einiges aus dem Inhalte des Buches mittheilen, wenigstens die Punkte uns bezeichnen, über welche es sich hauptsächlich verbreitet „Es umspannt fast das ganze Gebiet der Philosophie," sagte Abulmaali, „das Wesen und die Eigenschaften der Gottheit, die Engel, Sphären, die thätige Vernunft, das Gute und Böse, Ruhe und Bewegung, Prophetie, Offenbarung und Lehrsätze. Es beginnt, wie gesagt mit höchst lehrreichen Begriffserklärungen und stellt Grundsätze für die spekulative Betrachtung auf. Mit welcher Weihe ein Forscher in göttlichen Dingen au seine Arbeit gehen soll, wird uns ( I, r>) mit schönen Worten vor Augen geführt: Als der vorzüglichste der Philosophen Aristoteles, heißt es da, seine Forschungen und Beweisführungen über sehr tiefsinnige Gegenstände anzustelleu begann, leitete er sie mit der Entschuldigung ein, der Leser seiner Werke möge es ihm nicht als Vermessenheit anrechnen, über solche Dinge Untersuchungen anzustellen, auch ihn nicht etiva in Verdacht haben, als wagte er sich aus bloßer Ruhmsucht au einen