Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1881)
- Date
- 1881-12-01
- Page
- Seite 286 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Und fragt Ihr wie das möglich sei? So antworte ich denen, von Euch, die den Freimaurerbund kennen, die ihn achten und ehren, mit dem Hinweis auf diesen. Keiner, niit Ausnahme der zelotischen Freimaurerfeinde, hält es für unmöglich, daß man ein guter Freimaurer und ein guter Deutscher sein könne. Einem wahren Freimaurer erscheint es geradezu undenkbar, daß ein guter Maurer ein schlechter Patriot sei. Nun, und was das Freimaurerthum lehrt, das sind die Grundsätze des Judenthums, wie es in jedem unserer Religionsbücher dargestellt ist. Und — hindert die evangelische Allianz, zu welcher die Protestanten aller Länder gehören — hindert der Gustav - Adolf - Verein, der seiner Glaubensgenossen in der Diospora gedenkt, an der treuen Uebung der Pflichten gegen Heimath und Reich? Nur den Juden macht man ihre Alliance isra«Slite universelle zum Vorwurf. Und wenn sie sich nicht um ihre bedrängten Glaubensgenossen kümmerten, wenn sie nicht dafür sorgten, daß sie in der Türkei, in Asien, in Afrika Schulen erhalten, Schulen zur religiösen zugleich aber auch zur allgemeinen Bildung in der Landessprache und zumeist auch in der deutschen Sprache — dann würden ihre Widersacher, dann aber mit Recht, ihnen zurufen: ihr seid schlechte Menschen, denn in Eurer Selbstsucht vergeht Ihr Eure Glaubensbrüder, die noch in Allein zurück sind. Während man der Culturförderung Dank zollen sollte, die durch die Alliance IsnuSlite universelle nicht blos den Juden, sondern durch sie und mit ihnen den barbarischen Ländern und Völkern zu Theil wird, wird die Alliance noch angegriffen und bespöttelt. Die Mehrheit hält sich für berechtigt, die Minderheit als Fremde, als Seiniten zu bezeichnen. Bleiben wir einmal bei dem so gelehrt scheinenden Semitisnius stehen. Die Ethnographen unterscheiden zwischen Ariern (den Japhetsten) und Semiten. Zu letzteren, den Nachkommen des biblischen Sem gehören die alten Juden, wie die Araber; von ersterein, vom alten Japhet, stammen die Germanen. Abgesehen nun davon, daß diese biblischen Volksentstehungssagen längst überwundene wissenschaftliche Standpunkte sind — kennzeichnet es nicht in einer Zeit, in welcher man die Adelsprobe und die Tonlegung auf eine Reihe von Ahnen als veraltet ansieht, in einer Zeit, in der endlich in Amerika auch das Recht der Neger auf Menschenwürde und staatsbürgerliche Rechte zur Anerkennung gelangt ist — kennzeichnet es nicht in unsrer Zeit der vielgepriesenen Humanität einen Rückfall in die allerälteste Barbarei, wenn man derartigen Unterscheidungen nach ganz willkürlichen Raeen-Kategorien Raum giebt? Die Griechen nannten alle Nichtgriecheu verächtlich Barbaren. Die jüdischen Deutschen sind grade so gut Deutsche, als die christlichen. Ob ihr Haar schwarz, ihre Backenknochen hervorstehend, ihre Nase lang ist, das thut gar nichts zur Sache — so vielen Stoff zum Spott das Alles auch geist- und herzlosen Feuilletonisten und Earrieaturenzeichnern geben mag. Man sieht unzählige Christen mit jüdischen Zügen und umgelehrt ebensoviel Juden mit urgermanischer Gesichtsbildung. Es ist eitel Geschwätz, wenn man auf solche Raeenunterschiede von vor Jahrtausenden zurückkonnnt. Ebenso verhält es sich mit dem Vorwurf, daß die Juden Fremde seien. Ich kann meinen Stammbaum in Dresden auf 175 Jahre und den Aufenthalt meiner Vorfahren in Deutschland auf viele Jahrhunderte zurück Nachweisen. Und so Tausende von uns. Und da wagt man es, uns Fremde zu nennen! Was heißt überhaupt fremd? Ist Savigny, ist Chamisso in Deutschland