Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1881)
- Date
- 1881-12-01
- Page
- Seite 283 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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283 Die Sprüche der Väter betonen, daß ein gutes Herz die Hauptsache sei, daß die Welt beruhe auf Wissen, Gottesdienst und Wohlthun, oder aber auf Wahrheit, Recht und Frieden. Sie mahnen, Nieniand zu verurtheilen, bevor man nicht in seiner Lage war, sie fordern: empfange Jedermann mit einem freundlichen Gesicht mit Freude; ferner: „Dein Haus sei nach der Straße geöffnet, die Arnien seien deine Hausgenossen", liebe den Frieden, fördere den Frieden und liebe die Geschöpfe" (wohlgemerkt: Geschöpfe, nicht blos Juden, nicht blos Menschen, auch Thiere). Weitere Sprüche der Väter sind: „Wenn ich nur für mich lebe, was bin ich dann?" Wichtiger als Wissen ist edles Thun". „Schön Bibelstudium, wenn es Hand in Hand geht mit Lebensklugheit". Liebe die Arbeit, hasse den Hochmuth". Sprich wenig, thue viel." „Nicht das Studium ist die Hauptsache, sondern das Thun". „Wissen ohne Arbeit ist eitel". „Das Geld, die Ehre deines Nebenmenschen (Clialn-relia, nicht blos deines Glauhensgeuossen) sei dir so werth wie die deine. „Gerathe nicht leicht in Zorn." „Bessere dich einen Tag vor deinem Tode." „Leidenschaft Menschenhaß und Neid tödten den Menschen vor der Zeit." „Was du thust, thue in Gottes Namen." „Sei gegen deinen Körper kein Tyrann." „Der Tag ist kurz, der Arbeit viel, die Arbeiter träge, reich das Ziel." „Drei Dinge woll' o Mensch erwägen; Wie du entstehst, wohin dn gehst Und wem du Rechnung einst mußt legen." „Wen die Menschen lieben, liebt Gott." „Spott und Leichtsinn machen den Menschen zu Schanden." Wer ist weise? Der lernt von Jedermann. Wer ein Held? Der seine Leidenschaft bezwingen kann. Wer reich? Der da zufrieden. Mit dem, was ihm beschieden. Und wer geehrt? Dem Menschen werth! Die Tugend ist der Tugend Lohn. Das Böse ist des Bösen Sohn. (Schiller's Wort: Das ist der Fluch der bösen That, Daß sie fortzeugend Böses muß gebären.) Besser der Schweif des Leu'n Als des Fuchses Haupt zu sein. Diese Welt ist der Vorsal zur Ewigkeit. Besänftige Keinen, der im Zorn noch sprüht, Meid' ihn zu sehen, wenn er vor Scham noch glüht. Und tröst' ihn in der Stunde nicht, da eben Vernichtet ward ihm ein geliebtes Leben. Fällt dein Feind, so freu' dich nicht Strauchelt er, frohlocke nicht Gott sieht's und rechnet -dirs zur Schuld Und wendet sich ihm zu mit Huld! (Das ist besser ausführbar, als die neutestamentlich gebotene Feindesliebe und Darreichung der andern Backe zur Empfangnahme des zweiten Schlags.)