Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1881)
- Date
- 1881-12-01
- Page
- Seite 280 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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280 — hebräische owinu beweist — (vergl. auch das tägliche Schlußgebet: Ken nekawe u. s. tudaß kein hervorragender Ausspruch Christi und seiner Jiinger existirt. der nicht seinen Borgang in älteren jüdischen Quellen hätte, daß Sätze wie „liebe deinen Nächsten wie dich selbst" mosaisch-jüdischen Ursprungs sind. Mag es noch so festgestellt sein, daß die Juden allein e§ nicht waren? welche Jesus Tod veranlaßt, und nachgewiesen werden, daß die Pharisäer zum Theile eine weit würdigere Stellung einuahnien, als ihnen das neue Testament andichtet; mag es dargethan werden, welche Gegensätze und Widersprüche in den Schilderungen von jüdischen Anhängern Jesus und denen seiner heidnischen Jünger, zwischen Paulus und Petrus vorliegen. Was hilft das Alles?. In den Augen der großen Menge bleiben die Juden dennoch gebrandmarkt, als die Feinde, die Berräther, die Mörder Christi; erscheint die Religion Christi dennoch als diejenige, welche ganz neue, edlere Grundsätze der Sittlichkeit zur Aussprache brachte als das Judenthnm lehrte. *) Und wie viele Inden giebt es, die unkundig ihrer eignen Religion, ohne Ahnung von den Literatnrschätzen derselben, blind nachbeten, was sie von ihren christlichen Lehrern und Mitschülern hören, und mit einstimmen in das Lob, daß nur das Christenthuin die Religion der Liebe sei, daß die Nächstenliebe ein christlicher und kein jüdischer Satz sei, daß das Baterunser schöner sei, als irgend ein jüdisches Gebet n. s. w. Der Werth und die Bedeutung des Christenthums liegt darin, daß es die sittlichen Ideen des Jndenthums verbreitete — neue hat es nicht hinzugefügt. Und was es hinzufügte — hat sich als unpraktische Sentimentalität ergeben, so die unmögliche Feindes liebe im Gegensatz zu der vom Judenthum geforderten Feindes-Wohlthätigkeil. Was es ferner hinzufügte, waren Zugeständnisse an die Heidenwelt in Trinitätsglauben, Erbsünde, Heiligenverehrung, Hinimelfahrt. Lueian erzählt vom Astarte- Cultus in Byblos: „Erst begehen sie die Mysterien des Adonis jährlich mit lauten Wehklagen; dann opfern sie ihm als einem Tobten; folgenden Tags aber sagen sie, er sei wieder lebendig geworden und schicken ihn gen Himmel". Thauunns „der semitische Adonis", in dem sich die Kraft der Sonne oder das vegetative Leben der Erde verkörpert, stirbt ab und verschwindet, lebt wieder auf und wird wieder gefunden. Er hat also ebenfalls seine Passion und Auferstehung." (Laßmanii, Geistfahrten, 819) vergl. Ezechiel 8, 14 ff. Das Christenthuin, wie es heutzutage in seinen Bekennern aller Schichten von den niedrigsten bis zu den höchsteultivirten sich darstellt, ist nur dem Namen nach einheitlich, der Sache nach eine Gesamintheit von Glaubensansichten, die vom allerältesten heidnischen Aberglauben, von Ueberresten griechischer und römischer Mythologie bis zum geläuiertsten Denkglauben aufsteigen? (In Laßinann's „Geistfahrten", Leipzig 1880 wird, an der „Passion in St. Peter zu Rom", an der „auf der Bühne zu Oberammergau", an den Gebräuchen „der Mönch auf dem Berge Athos", kunstwissenschaftlich und guellenmüßig belegt, wie viel heidnische Bräuche in das Christenthuin übergingen, wie Zeus und Athene sich in die Gestalten des Christus und der Maria verwandelten (244). Und dennoch wird in der Sprache der Wissenschaft der Begriff christlich gehandhabt, als ob er einen einheitlichen feststehenden Sinn darböte. Man bezeichnet mit ihm alles *) „In der Moralphilosophie sind wir nichi weiter gekommen als die Alten" Kant. I. 3r>(\ „Zu behaupten, das Christenthuin habe der Menschheit vorher unbekannte sittliche Wahrheiten mitgetheilt, beweist entweder grobe Unwissenheit oder geflissentlichen Betrug." Buckle, Geschichte der Civilisation in England. I, lbN, 14. .