Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1881)
- Date
- 1881-12-01
- Page
- Seite 279 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Staatseinrichtungen hinzuweisen und deren gesttzliche Abhilfe anzuregen. Niemand aber hat das Recht, vom sachlichen auf das persönliche Gebiet überzngreifen, ganze Klassen von Mitbürgern in die Acht zu erklären und zu lynchen. Die Juden haben in Deutschland ganz dasselbe Recht der Existenz und der Rechtsübung wie die Christen und die ihnen zustehenden bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte können ihnen auf gesetzlichem Wege nicht wieder entzogen werden. Nie kann eine Mehrheit ihr Recht so inißbrauchen, daß sie die Minderheit ihrer wohlerworbenen Rechte beraube. Wer nur einen Funken von Rechtsgefnhl hat, der wird vor de», Gedanken zurückschaudern, eine ganze Klasse von Mitbürgern auf die Proscriptionsliste zu setzen. Können demnach all die Hetzpredigten, welche darauf ausgehen, den Juden die bürgerlichen und die staatsbürgerlichen Rechte zu entziehen, irgendeinen gesetzlichen Erfolg nicht erzielen, so sind sie doch wohlberechnete Spekulationen, nn, die große Masse gegen die Juden einzunehmen, um den Juden allen nur irgend möglichen Nachtheil zu bereiten. Und keiner dieser.Hetzprediger kann es verhindern, ja mancher sähe es wohl gern, wenn das Ziel seiner Wünsche auf ungesetzlichem Wege erreicht würde. Darum sind diese Schriften in hohem Grade staatsgefährlich. Für die Juden erwächst aber aus dein Ueberhandnehmen und der unleugbaren Beliebtheit dieser Literatur die dringende Pflicht, sich eingehend mit der Frage zu befassen: Wie ist dem Judenhaß zu begegnen? Und das führt immer und immer wieder auf die schon oft berührte Frage: woher rührt der Judenhaß? Der erste Quell ist religiöser Natur. Wie immer auch die Erwachsenen zu den Erzählungen des neuen Testamentes sich stellen: dem Kinde sind sie die erste, die eindringlichste, die in die unschuldige Engelseele sich tief einprägende Freudenbotschaft « Evangelium, eines idealen Gottmenschen, den ein Jude, Judas, verrathen, den die Juden verkannt, verfolgt und an's Kreuz geschlagen haben. Und wie sollte nicht die von der Kunst verklärte Jdealgestalt Christi, des Kinderfreundes, der da rief: „Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich" sich tief einleben in das Kindergemiith, dem es in den leuchtendsten Farben in der Schule, in den Weihnachtsfestgaben vor Augen tritt, wie sollten nicht neben diesen sonnigen Zügen als finstres Gegenstück der Jude und die Juden von früh auf dem Kinde erscheinen? In den christlichen Religionsbüchern und Religionsstunden werden die Gegensätze zwischen Christus und den Juden so grell hervorgehoben, in der völlig geschichtswidrigen neutestamentlichen Darstellung der Pharisäer als Urbild der Juden, in der Erzählung von Christus und den Geldwechslern im Tempel, in der vom Zinsgroschen erscheinen die Juden so abschreckend, daß das Kind eine tiefe innere Abneigung empfinden in u ß gegen Alles, was Jude ist und heißt. Und diese früheste Empfindung aus den Kinderjahren verliert sich nicht, stumpft sich nur sehr schwer ab. Es gehört ein tiefes Studium, ein mächtiger Unabhängigkeitssinn, eine glühende Menschenliebe dazu, um sich — wie es der Einzige Lessing that - von diesen Kindheitseindrücken zu befreien. Hundert und tausendmal ist uachgewiesen worden, daß die herrlichsten Lehren des neuen Testaments wörtliche Uebersetzungen talmudischer Sätze sind, daß das „laßt die Kindlein zu mir kommen" eine Uebertragung ist des Psalmenverses: der Säuglinge und Kinder Lallen befestigt dein „Reich; — daß die Bergpredigt jüdischen Ursprungs, das Vaterunser eine bloße Übersetzung jüdischer Gebete ist — wie schon das