Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1881)
- Date
- 1881-12-01
- Page
- Seite 276 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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276 tums reinigen, der entweiht ist durch allerlei Götzen nicht minder, wie durch falsche Priester, die wie Jason und Menelaos, das Judentum wie eine Waare behandeln, um die man feilscht und die man fälscht. Der Schulohan-Aruch muß endlich aufhören die officielle Theologie des Judentums im neunzehnten Jahrhundert sein. Wir inüssen aus der Perfallen heit, in der sich das Judentum in der Gegenwart befindet, wie einst in den Tagen des Königs Josia, wiederum ein altes vergessenes Buch, unsere alte bei Seite geworfene Wissenschaft hervorholen, zu ihr müsseu wir von Neuein hinwallen und uns mit Begeisterung und Kraft volllaugen. Wir brauchen den alten Prophetenschulen ähnliche Anstalten, in denen das Judentum in seiner weltumfassenden Bedeutung gelehrt und gelernt wird, wir brauchen Gemeinden, die solche Lehren suchen und sie nicht spurlos verhallen lassen, wir brauchen Gemeindevertreter, die nicht wie ein Laststein auf dem Judentume ruhen, sondern ihre Aufgabe richtig begreifen und es mit ihrem Berufe Ernst nehmen, auf daß sie nicht seien wie Blinde, die über Farben, wie Taube, die über Töne urteilen; wir müssen uns mit jener Kraft erfüllen, die aus der Höhe stamint, uns stark uild edel und weise macht und mutig und siegreich über alle Kämpfe. Bon den Schulen Sammais und Hillels wird uns erzählt, daß sie im Betreff des Anziindens der Lichter am Channkafeste im Streite waren. Nach der Ansicht des gesetzesstrengen Sammai sollten am ersten Tage acht Flammen angezündet werden, und dann an jedem Tage eine weniger. Nach des milden Hillel Meinung sollte man umgekehrt von einer Flamme bis zu acht für den letzten Tag aufwärts steigen, wie es auch Brauch und Sitte geworden ist. Diese scheinbar geringfügige Differenz zweier so hervorragender Gesetzeslehrer legt uns zwei Grundgedanken vor, zwischen denen wir wählen müssen. Nach Sammai hatte das Judentum seinen höchsten Glanz, in der Vergangenheit, der in der Zukunft erbleicht und erblaßt; nach ^Hillel liegt der welterlösende Glanz des Judentums in seiner Zukunft; nach Sammai ist das Judentum eine Religion der Väter, nach Hillel eine Religion der kommenden Geschlechter. Laßt uns von Hillel lernen, daß wir nicht nur in die Vergangenheit zurückblickeu, sondern auch in die Zukunft ausschauen, dann haben wir die Feinde nicht zu fürchten, nur kämpfen für eine heilige Sache. Die Idee der Wahrheit ist unbesiegbar. Zur Geschichte des Judenhasses vo» Emil Lehmann, Rechtsanwalt in Dresden, l -chlnf?) Erst seit den dreißiger Jahren lichtete es sich allmählig in Deutschland. Als im Jahr 1826 der Mendelssvhnverein in Dresden begründet wurde, zunächst um jüdische Handwerker heranzubilden, wurden die Innungen^ dagegen vorstellig, sie verboten ihren Mitgliedern die Aufnahme jüdischer Lehrlinge. Als in der Sächsischen Ständekammer der unvergeßliche Professor Krug sich durch Schrift und Wort der Eniancipatiou annahm, da traten die Innungen und die Evmmniievertreter in Dresden dagegen auf. Und als in Preußen im vereinigten Landtage 1847 die Zulassung der Juden zu Staatsämtern, zu ständischen Wahlen, zu gemischten Ehen in Frage kam, stimmte der damalige Abgeordnete, jetzige Reichskanzler, Fürst Bismark