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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-12-01 · Heft 12 (1.12.1881) · p. Seite 275

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 12 (1.12.1881)
Date
1881-12-01
Page
Seite 275 (sequence 3)
Language
German
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275 schüft abgeben, wie denn anch das Christentum des Judentums, seiner Nahrung spendenden Wurzel, nie und nimmer entraten kann, zumal es das Heidentum in seiner eigenen Mitte noch nicht überwunden hat und fort und fort mit demselben im Kampfe begriffen ist. Wir Juden haben die Aufgabe, das hebräische Urgebirge zu hüten, aus dem die reinen Quellen entspringen, sie vor jeder Trübung zu waren, sie, die einst als. breiter Strom die Welt durchziehen sollen, an dessen segnenden Fluten einst alle Menschheit sich erquicken wird. Hier ist das Feld unserer Mission, an deren Erfüllung wir zum Segen der Menschheit ernst und eifrig arbeiten sollen. Das Feuer unserer Religion muß treu gehütet und sorgsam genürt werden, daß es hineinglühe in jedes Herz und hineinstrale in jeden Geist und da läuternd wirke, auf daß das Gold edler Gesinnung befreit werde von den Schlacken der Erde, die ihm anhaften und seinen Glanz verdunklen. Das Chanuka-Fest, das wir demnächst feiern, welches sein Licht in die dunkle, kalte Nacht entsendet, lehrt es uns genug klar und eindringlich, daß wir unsere ungerechten Gegner nicht zu fürchten haben, so wir uns der Größe und Höhe unserer Aufgabe, wie der Ehrlichkeit und Ehrbarkeit unseres Strebens bewußt sind. Der Syrerkönig Antiochus Epiphanes kämpfte scheinbar auch für eine Idee, er wollte die Wahrheit begraben, das Licht nnterdrückeii, das Recht ertödten, die Freiheit ersticken, den Geist besiegen, aber er unterlag, wie sein Vorbild Haman, der Amaleksprößling, weil es ihm nur um die Ausbreitung seiner äußeren Macht zu tun war. Aber vergessen dürfen wir nicht, daß wir nach innen anch nicht um Haaresbreite von Dem lassen dürfen, was die edelsten, ehrlichsten, tüchtigsten Denker und Gelehrten uns unter schweren Kümpfen als ihr Erbe übergeben haben. Hören wir auf, an das Judentum den Maßstab der Nützlichkeit und praktischer kleinlicher Klugheit auzulegen lind es so in unseren niederen Gedankenkreis herabzuzerren. Jeder Schritt zurück bringt uns um unsere Selbstachtung, mit der uns auch die Achtung der Völker verloren geht. Mit makkabäischem Eifer müssen wir uns ausrüsten und waffnen, für die Wahrheit mutig einstehen, und nicht unser Knie vor jedem Tagesgötzen beugen. Nicht von den sogenannten orthodoxen Juden haben wir Gutes zu erwarten, die entweder aus Beschränktheit oder aus Heuchelei — das Letztere ist in Deutschland zumeist der Fall — zu blinden Anbetern des Talmud und »Sehulrlian-Aruch geworden, den sie nicht lesen können und nicht verstehen, und die in nationaler Absonderung und Ausschließung sich gefallen, die das Judentum nur in der Äuechtsgestalt des Mittelalters verehren, die höchstens eine Scheiutünche um die rissige Mauer legen, welche doch beim ersten Sturme zusamiueubricht. Sie werden ohne jedweden Einfluß auf die Bewegung und Gestaltung des Judentums bleiben wie einst die Assidäer in den Tagen der Makkabäer, denen man doch wenigstens Ehrlichkeit und Überzeugungsfestigkeit nicht absprechen konnte. Aber auch von jenen den Hellenisten der Makkabäerzeit ähnlichen Halbgebildeten, die den Namen Reformjuden mißbrauchen und schünden, die hinter dem Tische der Tages- und Straßenphilosophie nur einige atheistische Brosamen auflesen, um ihren öden Geist damit zu speisen ist kein Heil zu erwarten. Es ist eine nicht wegzuleugnende, beklagenswerte Tatsache, daß ein großer Teil der Juden mit einer falschen Geistesrichtung verquickt ist und so in der Leugnung von Gott, in der Vergötterung des Menschen, und in dem Kampfe des Einen gegen den Andern, unter Anwendung der gemeinsten Waffen, des Lebens höchste Weisheit sieht und erblickt. Wir niüsseri uns wieder mit makkabüischer Begeisterung waffnen und den Tempel des Juden- 23*

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