Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1881)
- Date
- 1881-11-01
- Page
- Seite 269 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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269 seine innersten Überzeugungen gewechselt, vielmehr zu jeder Zeit mit Herz und Seele die Befestigung und Verherrlichung seiner Religion angestrebt habe. „Und so lange ich ihn kenne/' fügte er hinzu, „hat er sich stets vor meinen Augen als gewissenhaften und frommen Hirten seiner Heerde, als ernsten und treuen Arzt, wie consequenten Philosophen bewährt."- Als ihn nach dem günstigen Ausgange des Prozesses zahlreiche Gemeindemitglieder und Freunde in' seinem Hause beglückwünschten, sprach er: „Gelobt sei Gott, der in der Noth uns nahe ist, der wie nach schauerlichen Winterstürmen Garten, Feld und Flur, so auch sicherlich nach Sturm und Unwetter das Heil unseres Volkes wieder erblühen lassen wird. Auf gar wunderbaren Wegen führt er uns zum Ziele. An einem Orte angefeindet, verhöhnt, verspottet, entfaltet Israel am andern seine hohe Geisteskraft, hier zurückgesetzt und verfolgt, gelangt es anderswo zu Achtung und Anerkennung und verherrlicht seine erhabene Gottesidee. Der Herr bereitet stets vorher das Heilmittel, ehe er uns Wunden schlägt. Dort sendet er einen Abdulmumen zu unserer Strafe und Prüfung, hier Saladin zu unserer Erlösung, dort einen Moischa, hier einen Alfadhel. So gelangen wir wenn auch durch Dornenwege, immer näher denk Ziele, immer näher zur Lösung unserer Aufgabe. So werden wir, wenn auch nach langem Irren, Dulden und Harren, endlich doch urtfere Mission erfüllen und unsere reine Gotteserkenntniß, die Lehre von dem einig einzigen Wesen nach allen Enden der Erde hin tragen und verbreiten." Kjebentcs Kapitel. Wie wenig dieser Vorfall dem Ansehen des Maimonides Eintrag gethan hat, zeigt der Umstand, daß er kurz darauf von der Regierung zum Reis (Oberhaupt) über sämnitliche egyptische Gemeinden ernannt wurde, eine Würde, die sich später auf seinen Sohn und Enkel vererbte. Je höher er aber stieg, desto mehr heftete sich der Neid und die Verkleinerungssucht an seine Fersen, desto ungestümer zogen und zerrten die Zwerge an dem Riesen, um ihn in ihre niedrige Sphäre herabzuziehen. Obgleich an seiner Frömmigkeit und Strenggläubigkeit kein Makel zu finden war, wurde doch jede reformatorische Bewegung in und außerhalb Egyptens, jede offene Meinungsäußerung eines Freigeistes von den jüdischen Zeloten auf den Einfluß seiner Schriften zurückgeführt. Besonders hörten Ali in Bagdad und seine Gesinnungsgenossen nicht auf, das Feuer zu schüren. Dieser fand namentlich die Lehre Maimunis von der Auferstehung höchst anstößig, die letzterer mehr im Sinne der Unsterblichkeit der Seele und der geistigen Verklärung als in dem der Allferstehung des Leibes aufgefaßt hatte. Ali verfaßte eine Gegenschrift und sandte ein Schreiben an Maimuni, worin er ihn mit scheinbar freundlichen Gönnerworten auf schwere Jrrthümer aufmerksam machte. Maimuni antwortete mit der Ruhe und Gelassenheit eines Weisen und dennoch mit höchster Entschiedenheit: Er sei nicht empfindlich gegen jedes Wort der Tadels; wenn der geringste Schüler ihm wirkliche Jrrthümer Nachweise, loäre er darüber nicht ungehalten, vielmehr für die Berichtigung höchst dankbar. Noch von einem anderen Schauplatze her empfing die gegen Maimonides gerichtete Bewegung reiche Nahrung. Der heftigste Vertreter des strengsten Talmudismus in der Provence Abraham ben David von Posquieres schrieb äußerst scharfe Randbemerkungen zu Maimuni's Gesetzescodex. Im geistigen Erbtheil Babyloniens theilte sich Spanien mit Frankreich; letzteres gelangte erst