Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1881)
- Date
- 1881-11-01
- Page
- Seite 267 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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267 sie von zehntausend Thoren mißbilligt wird, es vorzieht, sie diesem einzigen Vortrefflichen mitzutheilen, ohne den Tadel des großen Haufens zu fürchten. —" Das Gespenst, welches Maimuni seit jenem Abende nicht verlassen hatte, da Abulmaali die Nachricht gebracht, der übereifrige Fezer Theologe hätte wieder seine Fiihler gegen ihn ausgestreckt, raubte ihm immer noch manche Stunde der Ruhe und Sammlung. Er hatte nach verschiedenen Anzeichen Grund anzunehmen, Moischa stehe seinetwegen noch in Briefwechsel mit jenen überfrommen Helden in Fostat, die sich im Besitze der alleinseligmachenden Wahrheit wähnen, welche sie glauben, zn Ehren Muhameds mit allen ihnen zu Gebote stehenden Machtmitteln verbreiten zu müssen. Maimonides kannte die Verlegenheiten und die Angst, in welche man durch Angeberei wegen unerlaubten Religionswechsels versetzt wird. Es wäre jetzt nicht das erste Mal; solche Anklagen waren schon früher in Fostat gegen ihn erhoben worden. Durch günstige Umstände und milde Richter kam er jedoch dazumal mit heiler Haut davon. Nun aber schien ihm Moischa die Sache mit Eifer und Nachdruck zu betreiben; er war deshalb manchmal, wenn er es sich auch gegen Niemand, selbst nicht gegen seine Frau merken ließ, sehr erregt und von bangen Besorgnissen erfüllt. Alfadhel, an dessen entscheidendes Urtheil er im Nothfalle appeliren konnte, war zwar gerecht und für ihn sehr eingenommen; aber wird er nicht in wichtigen religiösen Fragen doch nur seiner Religion die Stange halten? Der Aberglaube, in dem er aufgewachsen, konnte doch in einer schwachen Stunde mehr Macht über ihn gewinnen, als man von feinem Freisinne, seinem unparteiischen und gerechten Wesen sonst gehofft hätte. Maimunis Befürchtungen, obschon ein wenig übertrieben, waren nicht ganz unbegründet, denn eines Tages wurde er mit der Nachricht erschreckt, daß sein früherer Freund, deshalb jetzt tttn so erbitterter Feind, aus dem Maghreb nach Fostat gekommen sei und ihn mit Ingrimm beobachtet habe, wie er an der Spitze der Gemeinde das Judenthum durch Schriften und Reden, mit Umsicht und Energie vertheidige und festige. In seinem Grolle gegen den nach seiner Meinung Undankbaren machte er den Behörden die Anzeige (1187), daß Maimuni sich früher zum Islam bekannt habe. Er trat als Ankläger gegen ihn auf und wollte ihn wegen seiner Abtrünnigkeit mit äußerster Strenge bestrafen lassen. Wie Maimuni vorausgesehen, verbanden sich fanatische Gesinnungsgenossen in Fostat mit ihm, schürten das Feuer und stützten die Anklage des fremden Theologen mit ihrem Einflüsse. Dieser Fall erregte in jüdischen wie in nichtjüdischen Kreisen Kahiras großes Aufsehen. Der allverehrte Maimuni in einen eigenthümlichen Prozeß verwickelt, dessen günstiger oder ungünstiger Verlauf nur von dem Freisinn oder der Befangenheit der Richter abhing; der Ankläger, ein hochangesehener Theologe, der aus dem fernen Maghreb gekommen, ehemals, als er den Juden noch für einen Muselmann gehalten, dessen innigster Freund, jetzt sein erbittertster Feind, dazu des freisinnigen Ministers Verlegenheit, in einer wichtigen religiösen Frage gegen die Interessen des eigenen Glaubens entscheiden zu sollen. Diese Umstände hielten Hoch und Niedrig, Juden und Muhamedaner in aufregendster Spannung. Da sollte es sich deutlich zeigen, ob Saladin nicht nur in Alltagsstreitigkeiten, sondern auch in entscheidenden Prinzipienfragen sich vorurtheilslos zeigen werde, und ob seines Veziers gepriesener Gerechtigkeitssinn fest wie Stahl und Eisen sei, oder im jähen Lohfeuer der hitzköpfigen Eiferer zerschmelze. Jbn-Moischa und seine Gesinnungsgenossen führten die schärfsten Waffen ins Treffen, sie beriefen sich auf die Unantastbarkeit der Gesetze des Landes, betonten in salbungsvoller 22*