Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1881)
- Date
- 1881-11-01
- Page
- Seite 266 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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266 Maimonides. Historische Lrzühsunq von vr. M. Dessauer, Landesrabbiner von Sachsen-Meiningen. (Fortsetzung.) „Hier kann er sie sich nur stumpf beißen," beruhigte ihn Abulmaali; allerdings ist auch hier zu Lande der Uebertritt voin Islam zum Judenthum streng verpönt, allein du bist ja nie in Wirklichkeit Muhamedaner gewesen. Alfadhel geht auf dergleichen Spiegelfechtereien nicht ein. Laß mich übrigens," sagte er beim Fortgehen, „dafür sorgen, daß dieser Seligmacher mit allen Ränken und aller Tücke dir nichts anhaben soll. Abends sieht sich Alles schwärzer an, als bei Tage. Störe dir die Nacht mit leeren Schreckbildern nicht und schlafe wohl!" — — Als Aknin glaubte, mit genügenden Kenntnissen ausgerüstet zu sein, um vom Lernen zuin Lehren, vom Hören zum Verbreiten der Anschauungen und Ideen, besonders der klar und knapp zusammenfassenden Lehrmethode des Meisters übergehen zu können, besetzte er sich in der syrischen Stadt Ha leb als Arzt. Der Abschied von einander war so herzlich und rührend, wie der des Sohnes vom Vater, wenn er von ihm scheidet, um in seinen Lebensbernf einzutreteu. „Zu meinen Wünschen in Betreff unserer ferner« innigen Verbindung, des häufigen Gedankenaustausches und Briefwechsels, laß mich noch," sprach Aknin, „die dringende Bitte hinzufügen, du mögest deinen Jüngern bald jenes uns oft versprochene Buch in die Hand geben, das deine reichen philosophischen nitb religiösen Ideen, die du unserem Geiste eingepflanzt, uns auch in der Ferne stets gegenwärtig halte." „Ich arbeite gerade an einem solchen Buche, vom selben Grundgedanken ausgehend, von dem Saadja in dem Werke: G la u b e n u n d G e de»tje it, welches ich dir bei unserem ersten Beisammensein empfohlen habe, ausgegangen ist. In Anbetracht der vielen Irrenden gerade in religionSphilosvphischen Fragen, nicht aus Ueberhebung soll mein Buch „Führer der Verirrten" heißen. Ander Hand der Bibel und des großen Philosophen Aristoteles will ich Offenbarung und Wissenschaft versöhnen, die tiefen Grundlchren unserer Religion enthüllen und sie in vollständigen Einklang mit der Weltweisheit setzen. Ich will es für meine treuen Jünger und Freunde und für denkende Leser schreiben. Du sollst es aber zuerst erhalten, dir, ich kann das Wort jetzt beim Abschiede anssprechen, meinem Lieblingsjünger, soll es vorzugsweise getvidmet sein. Gott weiß es, daß mir stets sehr bange war, die darin abzuhandelnden Gegenstände schriftlich mitzutheilen, tveil es geheime, schwer begreifliche Dinge sind, worüber nichts Aehnliches von einem anderen Schriftsteller unserer Nation vorhanden ist, und ich nicht der Erste sein wollte, der sie ans Licht bringt. Allein zwei Sätze sind es, auf die ich mich berufe; erstens, daß die Rabbinen in Betreff solcher Dinge den Grundsatz aufstellen: In einer Zeit, wo für Gott etwas gethan werden soll, kann man von gewissen gesetzlichen Bestimmungen absehen; zweitens daß sie die Richtschnur vorschreiben: All' dein Thun muß im Namen Gottes geschehen. Uebrigens bin ich der Mann, der, wenn ihn ein Gegenstand drängt und er keinen anderen Weg findet, eine streng erwiesene Wahrheit anders, als dergestalt mitzutheilen, daß sie einem Vortrefflichen nützlich erscheint, während