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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-11-01 · Heft 11 (1.11.1881) · p. Seite 264

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 11 (1.11.1881)
Date
1881-11-01
Page
Seite 264 (sequence 16)
Language
German
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264 sechs Söhnen mindestens einen zurückgeben. Umsonst. Sie ließ nicht nach mit Bitten. Die Trabanten wollten sie gewaltsam entfernen. Der König sprach: Laßt sie in Frieden, sie gleicht einer Hündin, die ihre verlorenen Jungen bewinselt. Mehrere portugiesische Halbjuden wurden bei dem Genüsse ungesäuerten Brodes betroffen. Es war eine Zeit der Hungersnoth. Der Pöbel, von Dominikanern gehetzt, machte die portugiesischen Halbjuden dafür verantwortlich. Die Dominikaner verlangten ihre Verbrennung. Ein Marranne meinte: Wasser sei jetzt nöthiger wie Feuer. Darauf wurden 500 solcher Mariannen getödtet. Wer einen Mariannen mordete, erhielt einen Ablaß auf 100 Tage. Der englische König Heinrich II. (f 1189) zwang sogar getaufte Juden, wieder Juden zn werden, damit er ihre Judensteuer nicht einbüße. König Eduard von England ,1260) ließ am Meeresufer zwei Zelte errichten, das eine mit Mosis Bild, das andere mit dem Christi. Die Juden wurden vor die Zelte geführt und sollten eines von Beiden wühlen. Die Mehrzahl ging in das Zelt Mosis und ward darin erwürgt oder ins Meer geworfen. Seit der großen Vertreibung in Spanien und Portugal lebten die Juden zuerst wieder auf in Holland. Amsterdam hieß das große Hamburg, das kleine Jerusalem. Der im Anfänge des vorigen Jahrhunderts lebende Frankfurter Geschichtsschreiber Schudt, ein Judenfeind, beklagte in seinen „Jüdische Merkwürdigkeiten" (Frankfurt 1714), daß nian den Juden in Holland in acht Punkten Freiheit lasse: Sie zahlen dieselben Abgaben wie die Christen, tragen keine Judentracht, Christen dürfen judaiziren (Juden werden), sie leben prachtvoll, bauen herrliche Synagogen, haben eigene Druckereien und Gerichtsbarkeit, es seien ihnen prachtvolle Leichenbegängnisse gestattet, ihre Gelehrten dürfen alles ohne Censur schreiben. Und Schudt erkennt gleichwohl an, daß schon vor Christi Zeiten in den deutschen Rheinlanden Juden gelebt haben. Sie sollen mit Cäsar nach Deutschland gekommen sein. Ich übergehe die zahllosen Judenverfolgungen in Deutschland und Österreich und erwähne nur, daß Maria Theresia die Judeu nach 150-jährigem Aufenthalt ans Wien vertrieb —, weil sie ihre Unfruchtbarkeit für eine Strafe Gottes dafür hielt, daß sie Juden dulde. Sie bekam einen «ohu — und das war Kaiser Joseph! Ihre Wiederaufnahme in Wien 1673 zoll den Juden (nach Basnage) 4 Millionen Gulden gekostet haben. Jni Jahre 1442 am Markustage brach, das erzählt Schicht, in der Judengasse zu Großglogau Feuer aus, „wobei die Bürgerschaft statt zu helfen — der Juden Häuser stürmte und ihre Synagoge umkehrte!" Und als die Zeiten der Austreibungen und Morde schwanden, da traten die der finanziellen Ausbeutungen, der Chikaneu, der Verhöhnungen ein. „Das große Spott- und Schandgemälde" das, wie Göthe in „Dichtung und Wahrheit" (4. Buch) erzählt, noch in seiner Jugendzeit unter dem Brückenthurm zu Frankfurt auf dem Wege nach Sachseuhauseu an einer Bogenwand zum „Unglimpf" der Juden zu sehen war, und das „ob man gleich in der neueren Zeit besser von ihnen dachte" doch „außerordentlich gegen die Juden zeugte", weil es „nicht etwa durch einen Privatmuthwillen, sondern aus öffentlicher Anstalt verfertigt worden" — ist in Schudt's jüdischen Denkwürdigkeiten 11 S. 256. 257. abgebildet und beschrieben. Oben steht: „Auweih Rebb. Anschl au au Mauschl au weih au au!

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