Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-11-01 · Heft 11 (1.11.1881) · p. Seite 260

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 11 (1.11.1881)
Date
1881-11-01
Page
Seite 260 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969670-2969682--0276-2970685
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

260 nicht Menschen. — Darum wäre mein Rath, daß man säuberlich mit ihnen umgehe. — Will man ihnen helfen, so nmß man nicht des Papstes, sondern der christlichen Liebe Gesetz an ihnen üben und sie freundlich annehmen, mit lassen werben und arbeiten, damit sie Ursache und Raum gewinnen bei uns und um uns zu sein." Im Gegensatz zu diesem edlen,,, weisen, eines Lnther's wahrhaft würdigen Aussprache stehen freilich andere Äußerungen. Hat doch Luther ein ganzes Buch: Von den Jude» und ihren Lügen <1546» geschrieben. In diesem Buche heißt es u. A.: Un siehe welch eine seine dicke fette Lügen das ist da sie klagen, sie seind bei uns gefangen. — Wir haben sic zu Jerusalem nicht geholt. Zu dem hollt sie noch itzt niemand. Land und Straßen stehen inen offen, mögen zihn in ihr Land wenn sie wollen. Wir »vollen gern Geschenk dazu geben, das wir sie los werden Denn sie uns ein schwere Last wie eine Plage, Pestilenz und eitel Unglück in unserm Lande sind. Zu Warzeichen sind sie oft mit Gewalt vertrieben (schweige das wir sie sollen halten) ans Frankreich als einem feinen sonderlichen Nest sind sie vertrieben. Jetzt neulich sind sie von dem lieben Kaiser Carolo aus Hispanien, dem allerbesten Nest, vertrieben. Und dis Jar aus der ganzen Behemischen Krön, da sie doch zu Prag auch der besten Nest eins hatten. Item aus Regensburg, Magdeburg und mehr Orten bei meinem Leben vertrieben. Heißt das gefangen halten, wenn man einen nicht leiden kann im Lande oder Hause? Ja wohl sie halten uns Christen in unserni eigen. Lande gefangen, sie lassen uns arbeiten im Nasenschweis, Gelt und Gut gewinnen. Sitzen sie dietveil hinter dem Ofen, faulenzen, pompen und braten Birn, fressen, sauffen, leben sanfft und wol vou unserm erarbeitent Gut, haben uns und unser Güter gefangen durch ihren verfluchten Wucher, spotten dazu und speien uns an, das wir arbeiten und sie faule Junker lassen sein von dem Unfern und in dem Unfern. Sind also unsre Herrn, wir ihre Knechte mit unserm eigen Gut, Schweis und Erbeit, fluchen danach nnserm Herrn und uns zu Lohn und zu Danke. Soll der Teufel hier nicht lachen und tantzen, wenn er solch fein Paradies bei uns Christen haben kann, das er durch die Juden, seine Heiligen, das Unsre fristet und uns zu Lohn Maul und Nasen vol thut, spott und flucht Gott und Menschen dazu. — — Ich will meinen treuen Rath geben: Erstlich daß man ihr Synagogen oder Schule im Feuer anstecke und was nicht verbrennen will, mit Erden überhäufst und verschütte, daß kein Mensch ein Stein oder Schlacke davon sieht ewiglich. Und solches soll man thun unserm Herrn und der Christenheit zu Ehren. Luther räth zum Andern, daß man auch der Juden Häuser zerbreche und zerstöre. Unter einem Dach oder in einem Stall mögen sie wohnen wie die Zigeuner, damit sie wissen sie seien nicht Herrn im Lande, sondern elend und gefangen, wie sie vhn Unterlaß klagen. Drittens soll man ihnen nach Luther alle ihre „Betbüchlein und Thalmudisten" nehmen; viertens ihren Rabinen das Lehren verbieten, fünftens ihnen kein Geleit geben, denn sie haben nichts auf dem Lande zu suchen, da sie weder Herren noch Amtleute, noch Häusler oder dergleichen sind. Sie sollen daheim bleiben. Zuin sechsten soll inan ihnen den Wucher verbieten uild alle Barschaft und Kleinod an Silber und Gold nehmen. „Alles was sie haben, haben sie uns gestohlen und geraubt, weil sie sonst keine andere Nahrung haben." Von diesem Gelbe solle man den Juden, die sich ernstlich bekehren, 100, 2, 3 Gulden geben, damit sie eine Nahrung für ihr armes Weib und ihre Kindlein anfangen, und soll

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.