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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-11-01 · Heft 11 (1.11.1881) · p. Seite 259

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 11 (1.11.1881)
Date
1881-11-01
Page
Seite 259 (sequence 11)
Language
German
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259 die ihren mittelalterlichen Vorgängerinnen würdig znr Seite stand, ja sie überbot, weil jene naturwüchsiger waren, sie dagegen gemacht, jene naiv und gutgläubig, diese wider besseres Wissen und bösartig in Scene gesetzt wurden. Wie erklärt es sich, daß ein Jahrhundert nach dem Nathan im Herzen Deutschlands der Haß gegen die Juden in solcher Weise zum Ausbruch kommt? Die Feindseligkeit gegen die Juden ist eine alte Erbsünde der Menschheit und sie wird wohl so geschwind nicht aufhören. Sie ist urkundlich belegt in den zahllosen Schriften, die gegen sie erschienen, die von Geschlecht zu Geschlecht in erneuter Gestalt mit den nämlichen Unwahrheiten und Anschuldigungen austauchten. Diese Schriften — heutzutage die Zeitungen, die Flugblätter, aber auch eine große Anzahl von schöngeistigen, wissenschaftlichen Werken — sind aber nur die Verbreiter, die Förderer, nicht die ursprünglichen Erzeuger des Judenhasses. Sie sind die Symptome einer vorherrschenden Krankheit, sind die Ventile, durch welche sich die tief in die Herzen der überwiegenden Mehrzahl eingegrabene Abneigung gegen die Juden Luft macht. Sie sind demnach, so verderblich sie wirken, dennoch nicht allein ins Auge zu fassen. Sie machen nicht die Stimmung, sondern die vorhandene Stimmung hat sie gemacht. Im Jahre 1848 suchte ein strebelustiger Candidat der Medizin sich nach obenhin durch eine Abhandlung „de morbo democratico“, über die „demokratische Krankheit" beliebt zu machen. Gewiß denkt so mancher Judenfeind auch an eine Judenkrankheit. Einem obscuren Poeten gebührt das Verdienst, von einer Judenpest gedichtet zu haben. Olaudius liutiliua Naniatianus (416 n. Ehr.) singt: Hütte doch Keiner das Land der Juden jemals erobert, Nicht es Pompejns bekriegt, nicht darin Titus geherrscht, Immer weitere Kreise dnrchdringt die verderbliche Pest nun Und ihre Sieger von einst drückt die besiegte Nation. Ein mittelalterlicher Dichter schreibt: Wollt Ihr Republiken rathen, So laßt keine Juden ein, Wenn sie in dem Bolke sein, Hören sie nicht auf zu schaden. Juden in dem Boike leiden Heißt den Bock im Garten weiden. Papst Jnnocenz HI. sagte von den Juden: Sie sind im Staate, was die Schlangen im Busen, die Mäuse im Quersack. Ein altes Sprichwort lautet: Glücklich ist der Staat, in dem kein Jude, kein Tyrann, kein Aussätziger ist. Man nannte „judaice interpretiren", eine Sache „traudulsntor verstehen", bemt — hieß es — „Liigen, Betrügen, Anführen ist der Juden proprium in guanto modo." Luther, der zu verschiedenen Zeiten verschieden handelte und sich aussprach, wie ja sein Verhalten gegen die Bauern belegt, hat auch den Juden gegenüber einen ähnlichen Standpunkt eingenommen. Er schrieb 1523 zu ihren Gunsten: Unsere Narren, die Papisten, Bischöfe und Mönche haben bisher also mit den Inden verfahren, daß wer ein guter Christ gewesen, hätte wohl mögen ein Jude werden. Sie haben mit den Juden gehandelt, als wären es Hunde,

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