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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-11-01 · Heft 11 (1.11.1881) · p. Seite 257

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 11 (1.11.1881)
Date
1881-11-01
Page
Seite 257 (sequence 9)
Language
German
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257 präsentirt 21. März 1685, sprachen sich die Juden über ihre materielle Lage folgendermaßen aus: „Im Übrigen ist bekannt, weil die Juden kein Handwerk treiben, daß weil ja die meisten unter »ns so elend und miserabel sind, daß sie wahrhaftig wenn sie den Tag über um ein Verdienst gelaufen und gerennt nicht so viel brot um sich mit ihrem armen Weib und Kinder zu sättigen zu Wege bringen. Dabei auch in dem kältesten Winter ihren Leib nicht bedecken können, wie solches der Augenschein beweist. Daß wir nicht glauben können, daß es mit Menschen sie wollten dann ganz verderben zu größerer Extremität und Armut, als bei vielen der unsrigen geschieht kommen könnte. Ja es würden ihrer viele ganz verderben müssen, wenn nicht diejenigen, denen etwa Gott von ihren Eltern noch ein weniges übrig gelassen ihnen aus milder Barmherzigkeit mit einem Stück Brod in äußerster Notdurft unter die Arme greifen intb sie von gänzlichem Verderben preservircn thäten, zu geschweigen, daß auch bei dieser Geldklemme und bösen Zeiten der Handel und Wandel, woraus viele ihre Nahrung ziehen müssen über alle Maßen durchgehend bei Christen und Juden darniederliegt und die Quellen woraus wir Wasser und der unsrigen Lebensnotdurft ziehen müssen, dergestalt verstopft ist, daß zu besorgen, wenn Gott nicht bessere Zeiten schickt, es werde auch endlich mit den vermögenden unter uns, weil sie nichts oder wenig gewinnen und wol gar vom Capital zehren müssen nicht gut thun und sie mit der Zeit in Abgang ihrer Nahrung geraten müssen. Wie sollte cs denn Mensch und möglich sein, daß wir die allerelendsten und ärmsten unter allen Menschen, die wir nicht ohne große Difficultät und Schmälerung der Lebensmittel kaum einmal zu Reichsanlagen vermittelst unserer hochgeehrten Obrigkeit als Beisaßen concuriren können, wo anders noch überdies auch irriccl iü te zu Reichsanlagen, also doch Geld contribuiren sollten." Lintzing jedoch drängte in allen seinen Berichten, daß man mit den angedrohten Strafen Ernst mache, sonst werde inan nicht zum Ziele gelangen; doch wollte man in Wien nicht darauf hören. In einem Berichte vom 7. Juny kam Lintzing auf die Sache zurück und bat ihm seinen Gehalt und die Unkosten die er hatte, welche sich auf fl. 6000 beliefen zu schicken. Er hatte nämlich seit Monaten keinen Gehalt bekommen, weil die Kassen in Wien leer waren. Doch der Kaiser schrieb ihm er möchte sich vorläufig auf seine in der Nähe Frankfurts liegenden Güter begeben. Die materiellen Verhältnisse des kaiserlichen Hofes waren zu jener Zeit keine erfreulichen. Wie man weiß, tvurden die Juden ans Wien im Jahre 1670 vertrieben. Man hatte gehofft, daß durch diese Maßregel der Volkswolstand einen neuen Aufschwung nehmen werde. Es trat jedoch das gerade Gegentheil ein, wie wir dieses a. a. O. <Vgl. unsere: Juden in der Leopoldstadt und Geschichte der Inden in Wien) nachgewiesen haben, die Bürger verarmten immer mehr und waren nicht in der Lage ihre Steuern zu bezahlen. Es kam so weit, daß das silberne Geschirr des Hofes verpfändet wurde. Der Kaiser sah sich daher veranlaßt eine Kraftanstrengung zu machen um zu Geldmitteln zu gelangen. Auf Anraten des Reichshofrates vom 7. July beschloß der Kaiser der Stadt Frankfurt die Juden zu kündigen und zu erklären sie binnen Jahr und Tag wiederzukaufen. Wie es in dem Vortrage des Reichshofrates heißt,, sollte das eigentlich blos ein Schreckschuß sein. Der Frankfurter Syndikus Ginder hatte nämlich bereits zu den angebotenen fl. 10,000 noch weitere fl. 3000 angeboten, das Küudigungsmandat sollte daher eine Pression

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