Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1881)
- Date
- 1881-10-01
- Page
- Seite 246 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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246 du in B.etreff der Thamar bekannt hast, darum werden deine Brüder dich bekennen, daß du König über fie seist;" Berescbith rabba § 98 sagt zu diesem Schriftvers: „deine Brüder bekennen sich zu dir (d. i. huldigen dir), deine Mutter bekennt sich zu dir, und ich selbst bekenne mich zu dir. R. Simon ben Jochai sagt: Alle deine Brüder nennen sich nach dir; man sagt nicht: ich bin ein Rubenite, ein Simonite; sondern man sagt: ich bin ein Jude. So sagt denn auch Targum Jeruschalmi I zu unserer 'Bibelstelle: „zu dir werden deine Brüder sich bekennen, und werden sich Juden nennen nach deinem Namen. Was war nun der Grund, das Wort band» überall (auch wo es „danken" bedeutet) mit: bekennen wiederzugeben? Die geschichtlichen Verhältnisse geben uns hierauf Antwort. Nachdem das Reich der zehn Stämme untergegangen, hatten viele Trümmer desselben sich zu den Judäern, den Bewohnern des Reiches Juda gesellt: Viele derselben hatten der Einladung des Königs Hiskia, und später des Königs Josia Folge geleistet. Das Reich Juda, dessen Glieder einen zäheren, nachhaltigeren Widerstand gegen die Versichrungen des Auslandes und des Adels leisteten, ging zwar auch in Trümmer. Aber das Volk erlebte nach Jecheskels schönem Bilde eine Wiederauferstehung; die Form war wohl zerbrochen; aber der Geist, die Religion, belebte die tobten Glieder wieder. Mit den unter Serubabel Rückkehrenden waren auch Viele vom Stamme Ephraim und Manasse, wie aus 1. Chron. 9, 8 zu ersehen ist. Aber Alle fühlten sich jetzt vorzugsweise als Volk der Bekenner des Einen Gottes. Dies Bewußtsein überwog weit das nationale. In dem religiösen Bewußtsein fühlten sich die zahlreich in dem weiten Perserreich, in Afrika, Spanien, Griechenland Zerstreuten verbunden mit den Brüdern in Judäa. Dazu kam, daß auch viele Heiden, die Nichtigkeit des Götzendienstes erkennend, zur jüdischen Religion übertraten. Der religiöse Gegensatz zwischen Juden und Heiden schärfte sich bei dem Conflikte der jüdischen und hellenistischen Bildung unter den Seleukiden. Der hervorstechendste Unterschied zwischen Juden und Griechen war die Verläugnung der Götzen, Seitens der Juden, deren Bekenntniß zu dem Einzig-Einigen. Der Name „Jude" erhielt also im Bewußtsein des jüdischen Volkes statt der nationalen Bedeutung eine religiöse, eine humanitäre. Wer den Götzendienst verwirft, und wäre er auch aus fremden Volke, heißt Jude; wer zu dem Einzig Einen sich bekennen will, ist Jude," d. h. Bekenner./Das Wort Jude bezeichnet nicht eine Nationalität, sondern ein Bekenntniß, und Jeder, ohne Unterschied der Nationalität kann diesem Bekenntniß beitreten, ./ Und deßhalb deutete man in den öffentlichen Vorlesungen der Bibel, womit auch ein Vortrag der Übersetzung in die Landessprache verbunden war, das Wort: „Juda" als Bekenner. Lea hat zuerst feierlich Gott bekannt, so entstammten auch ihr die Bekenner: so lbekannten sich zu Juda seine Brüder, und nannten sich Juden, Bekenner des Einzig Einen. — Um diese Anschauung zu bestärken, gab man in der Übersetzung das Stammwort baudu überall durch das Wort: bekennen, damit das Volk beim Anhören immer erinnert werde: als Jude bist du ein Bekenner des Einen Gottes; das Judenthum ist nicht Sache der Nationalität, es ist zur Beseligung der Menschheit bestimmt. Nachdem diese Erkenntniß vollständig in Fleisch und Blut der Juden übergegangen, hatte inan keinen Grund mehr, bei der uneigentlichen Übersetzung zu verharren. Man kehrte daher zur eigentlichen Wortbildung zurück. Nur die bereits schriftlich fixirten Übersetzungen behielten die uneigentliche Bedeutung des Wortes. Während daher R. Levi in Beresebitb rabba 71 „Jehuda" mit