Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1881)
- Date
- 1881-10-01
- Page
- Seite 244 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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244 sagte mein Mann nicht, er habe noch eine Nenigkeit auf dem Herzen? Ist sie auch so erfreulich?" „Das werdet ihr besser wissen," erwiderte dieser. „Ein gewisser Jbn- Moischa aus Fez bat einen hiesigen angesehenen Im an um Auskunft über Maimunis Thun und Handeln, über seine schriftstellerische Thätigkeit, seinen Beruf, besonders über die religiöse Wirksamkeit; ob auch diese Mittheilung für euch günstig ist, möchte ich von euch hören." „Regt sich auch dieser Wurm noch!" rief Maimuni unangenehm überrascht, „will auch der noch an mir nagen? Das ist jener Moischa," sprach er zu Abulmaali gewandt, „von dem ich mehrmals erzählte, wie wunderlich er sich meine Dankbarkeit vorstelle. Solche bekehrungssüchtige Scelenfünger sind doch sonderbare Käuze. Weil er mir das Leben geschenkt, soll ich nun aus Erkenntlichkeit in meinem eigenen Eingeweide wühlen, selbst die Axt an unseren alten Stamni anlegen. Ick) soll für meine Rettung, gab er mir deutlich zu verstehen, durch Schrift und Wort behülflich sein, die zahlreiche Glaubensgenossen im Almohadenreiche, die nicht auswandern können, das heißt fast alle, da sie dort nicht als Juden leben dürfen, zu aufrichtigen Bekennern des Islam zu machen." „Allerdings nur nach der reineren Auffassung desselben," spöttelte die Schwester, „wie der große Madhi Jbn-Tlimart ihn gelehrt; sagte er nicht so?" „Ganz recht, die reinere Auffassung mag da bedeuten: das Land von Christen und Juden reinigen und sie zwangsweise zu Muselmännern machen. An mir," fuhr Maimuni fort, „war ihm nicht viel gelegen, er kannte meine festen Überzeugungen, doch aus kn durch langjährige Scheinübungen schon schwankend gewordenen und nach beiden Seiten hinkenden Juden dürfte sich eine erkleckliche Anzahl Seelen für die vom Propheten seinen Getreuen verheißenen paradiesischen Wonnen fischen lassen. Üud ich sollte dazu sein Werkzeug sein, sollte dies gutheißen, wenigstens nicht abrathen und unsere Brüder nicht noch ferner zum Ausharren auspornen." „Ich habe in meiner früheren Heimat von diesem Fanatikter gehört," sagte Aknin. „Was mag er jedoch hier wollen, wo wir geschützt und sicher leben, und schon der Name eines Saladin und Alsadhel gleich von vorn herein solchem Gebühren die Spitze abbricht?" „Drohen will er dem Undankbaren und versuchen sein Ansehen zu vernichten. Es giebt übrigens auch hier glühende Eiferer, welche die Nachricht, ich hätte lange Zeit als Muhamedaner gelebt, gegen mich ausbeuten werden. Wenn übrigens der Richter streng sein will, so kann er auch hier ein älteres Gesetz hervorsuchen, welches den Übertritt vom Islam zu einer andern Religionsform mit harten Strafen belegt. Die Entdeckung wäre mir gerade jetzt äußerst unangenehm. Der fanatische Moischa wird noch empörter sein, wenn er hören wird, daß ich seitdem schon wieder die Israeliten in Jemen zu treuem Ausharren veranlaßt habe, bis für sie jetzt eine günstigere Wendung eingetreten ist, und daß ich hier als gewissenhafter Rabbiner wirke und sogar Werke zur Befestigung des Judenthums geschrieben habe. Dieser Wolf im Schafpelze wird mir wohl nunmehr seine scharfen Zähne zeigen." ' (Fortsetzung folgt.)