Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1881)
- Date
- 1881-10-01
- Page
- Seite 243 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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243 Wort, geschickt ausgedrückt. Wie trefflich bezeichnet dieses Bild das kunstgerechte Gleichniß! Es will nämlich sagen, daß bei jedem Worte, das einen offenen und einen geheimen Sinn hat, der offene so gut wie Silber, der geheime aber noch besser als der offene sei, so daß jener sich zu diesem wie Gold zu Silber verhalte, der offene Sinn jedoch so beschaffen sein müsse, daß er den Betrachtenden aus den tiesern hinleite, so wie es mit dem, in einem fein durchbrochenen silbernen Netze liegenden, goldenen Apfel der Fall ist. Sieht ihn nämlich jemand von fern oder ohne Aufmerksamkeit, so hält er ihn für einen silbernen Apfel, einem Scharfsinnigen aber scheint das Innere durch und er wird bald gewahr, daß er von Gold ist. So verhalten sich auch die Gleichnisse und Bilder der Propheten, deren offener Sinn weise, jedem verständliche Lehren enthält, während der verborgene den Zweck hat, den Glauben an gewisse tiefere und heilsame Wahrheiten zu begründen — — — Aber laßt uns hier abbrechen; denn unsere gute Hausfrau macht schon ein saueres Gesicht, daß wir uns der Gesellschaft zu lange entziehen." „Ich muß jetzt." ergriff Abulmaali das Wort, „in die Domäne der Frauen eingreifen; heute kann ich mit interessanten Neuigkeiten aufwarten, mit zwei, besonders den lieben Schwager angehenden Nachrichten, ich wollte vorhin nicht unterbrechen, aber länger will ich sie nicht vorenthalten." „Nur heraus damit! Die Frauen hören ebenso gern Tagesneuigkeiten, als sie welche erzählen," scherzte Aknin, „zumal gleich auf einmal zwei/für jede eine." „Zunächst wurde mir durch den Schreiber des Ministers Alfadhel mitgetheilt, daß er heute deinen etwas langathmigen Namen Abu-Amram Musa den Maimun Obaid Allah in die Liste der Hofärzte eingetragen habe. Es sei dir ein bestimmter Gehalt festgesetzt worden, und morgen sollst du die Anzeige davon, wie das Diplom empfangen." „Gott sei Dank," rief mit wonnestrahlenden, leuchtenden Augen die Hausfrau, „es kommt uns gerade recht zu Statten, unser junger Weltbürger kostet uns nicht wenig und, wie ihr wisset, nimmt ja mein Mann für sein geistliches Amt keine Besoldung. Er geht nicht von seinem Grundsätze ab, es sei unerlaubt, von heiligen Diensten einen Nutzen zu ziehen. Er handelt streng nach dem Worte der Weisen: Machet die Gotteslehre nicht zur Krone, um damit zu glänzen, und nicht zum Spaten, um damit zu graben." „Herrschte die volle Gleichberechtigung in unserem Staate," bemerkte Aknin, „dann hätte unser Meister längst von Rechtswegen erhalten, was ihm die Gunst des Veziers jetzt erst verliehen hat. Ein Mann, der so zahlreiche medizinische Schriften geschrieben, der die Werke des Galenus bearbeitet und nach seiner gründlichen Art die Ansichten aller Autoritäten der Heilkunde systematisch geordnet hat, müßte schneller eine Stufe erklimmen, die oft ein muhamedanischer Stiimper und Quacksalber nicht allzuschwer erreicht. Er müßte schon Leibarzt des Sultans sein." „Verlangen wir nicht zu viel auf einmal und begnügen wir uns vor der Haüd init der Vorstufe, geschätzter Aknin," sprach die Frau des Geheimsekretärs voll Entzücken über die ihrem Bruder zu Theil gewordene Ehre; „möge uns der Werth der Auszeichnung nicht geringer erscheinen, weil sie bereits erreicht ist; er wird durch die vornehine Kundschaft, die er durch Alfadhel erhält, schon zu hohem Ruhme gelangen und so aus eigener Kraft von Stufe zu Stufe zur höchsten Würde emporsteigen. Es ist ehrenvoller als durch Brauch und Herkommen, durch sich selbst die allgemeine Anerkennung zu erringen. — Aber 20 *