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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-10-01 · Heft 10 (1.10.1881) · p. Seite 239

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 10 (1.10.1881)
Date
1881-10-01
Page
Seite 239 (sequence 15)
Language
German
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239 ödetes Haus, deine Liebe macht mich glücklich, sie gewährt mir nicht nur Halt und Stütze in meinen vier Pfählen, sondern macht mir auch die Heimat wieder lieb und theuer." „Nur nicht schwärmen", scherzte sie, „ein Philosoph darf kein Wort zu viel reden, was er behauptet, muß er beweisen". „Ich spreche nicht zuviel, es ist leider wahr", sagte er in ernstem Tone, „daß ich hier, trotzdem ich beinahe zwei Jahrzehnte in Egypten lebe, nicht recht heimisch werden konnte, weil ich meines Lebens nicht froh ward. Gleich im ersten Jahre starb mir der gute Baker, der zugleich mein treuer Lehrer gewesen, einige Jahre nachher der Bruder, der auf meinen Knieen großgewachsen ist, und dessen Tod mich hilflos und einsam gelassen, nicht lange darauf die theure Mutter. Als sollte mein Vertrauen und mein Mannesmuth im fremden Lande geprüft werden, wurde ich gleich Hiob mit schweren Schicksalsschlügen heimgesucht; es schien, als müßte ich den Leidenskelch bis zur Neige leeren, dazu verlor ich noch mein Vermögen und meine Gesundheit. Das ganze Leben war mir vergällt, und trotz Amt und Würden wollte das unbehagliche Gefühl der Fremde nicht aus meiner Seele schwinden. Soll ein neues Vaterland, dies habe ich oft erfahren, das alte vergessen lassen, so muß man sich zunächst darin wohl fühlen. Erst in den letzten Jahren hat mir das Glück seine freundliche Seite zugekehrt, seine milden Strahlen werden nur noch von wenigen Wolken verschleiert; und mit deinem Eintritt in mein Haus, hoffe ich, ist meine Glückssonne zur Mittagshöhe emporgestiegen." „Und ich habe gemeinsam mit meinem Bruder Abulmaali dir eine goldene Fessel geschmiedet, welche dich noch fester mit unserer Heimath verbinden soll. Du würdest sie schon heute als Hochzeitsgeschenk erhalten haben, aber — es konnte noch nicht geschehen." „Du machst mich überaus neugierig." „Wenn du rathen kannst," sagte sie mit schelmischer Miene, will ich dir eine Andeutung geben. Mein Bruder hat mit dem Vezier Alfadhel, der dein Gönner ist, in der Angelegenheit gesprochen, dieser meinte jedoch, vor der Hand wäre es noch unthunlich, da der Sultan des Aufruhrs wegen lange Zeit Kahira nicht besuchen könne." „Ah, Abulmaali's Lieblingsgedanke, seinen Schwager als Leibarzt des Sultans zu sehe». Hofgunst ist eine Sonne, die. allzu nahe, versengt; nach Ehrenämtern, glaube mir, sehne ich mich nicht mehr als ein lendenlahmes Noß nach schweren Bürden. Wenn ich sie annehme oder gar suche, so thue ich es lediglich meiner leidenden Glaubensbrüder wegen, die an vielen Orten verfolgt werden, um durch Beziehungen zu den Hofkreisen und durch den Einfluß auf die leitende Staatsgewalt hier ihre günstige Stellung zu befestigen, dort ihr schweres Loos zu erleichtern." — Als die junge Frau eines Tages die Schriften und Papiere ihres Mannes ordnete, fesselte unter denselben ein Brief aus Alexandrien ihre ganze Aufmerksamkeit, sie hielt iune und las ihn zweimal durch. „Wer ist dieser Jbn-Aknin, lieber Mann," fragte sie, „der für dich zu schwärmen scheint und an Liebesbetheuerungen in Poesie und Prosa mich bei weitem übertrifft. Seine beiliegenden hebräischen Gedichte verstehe ich zwar wenig, aber da du, sonst kein Freund von Versen, gestern bis in den späten Abend hinein in diesen Blättern gelesen hast, so müssen sie nicht unbedeutend sein. „Ihr Inhalt zeugt von Geist und Geschick; ich habe Mitleid mit dem jungen Verfasser," erwiderte er.

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