Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1881)
- Date
- 1881-10-01
- Page
- Seite 238 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969670-2969681--0253-2970661- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
238 „Ich habe schon Vieles von ihm gehört," erwiederte Maimuni, „er vertritt augenblicklich die Stelle eines Exilsfürsten; diese Würde ist seit dem Tode des zweiten Exilsfürsten Daniel streitig geworden und noch unbesetzt. Der Chalif Almnktafi hatte nänilich vor etwa vier Dezennien das alte Exilarchat in seinen Staaten wieder erneuert. Der jüdische Fürst darf dort öffentlich mit Glanz und Gepränge und einer imposanten Dienerschaft erscheinen. Auf einem Rosse reitend oder in einem Prachtwagen fahrend wird er von einer Ehrenwache umgeben, und ein .Herold geht vor ihm her und ruft: Machet Platz für unseren Herrn, den Sohn Davids. Juden und Muhamedaner sind dann bei Strafe gehalten, vor ihm anfznstehen. Er ernennt alle israelitische Beamten und erhebt von den Juden die Stenern, von welchen er einen Theil dem Chalifen abzuliefern hat. Wenn auch Ali nur Vertreter jener Würde ist und sie nicht offiliell bekleidet, so nimmt er doch gegenwärtig bei den asiatischen Juden die höchste politische und religiöse Stellung ein." „Es ist aber nicht so leicht, ein Geistesfürst zu werden; dies kann man nur durch die gediegensten wissenschaftlichen Leistungen, nicht durch Verkleinern der hohen Verdienste Anderer erreichen. Drum sei guten Muthes," sprach der Schwager, „und setzte böswilligen Anfeindungen die Ruhe eines Weisen entgegen. Doch die späte Abendstunde drängt, wir müssen nach Hause gehen." „Die Schwester drückte Maimuni beim Abschiede die Hand, klopfte auf seine Schulter und sagte lächelnd: „Wir werden schon für eine angenehme Ablenkung von diesen theologischen Zänkereien Sorge tragen.- Sechstes Kapitel. Es war ein fröhlicher Tag für die jüdische Gemeinde in Fostat, als ihr . berühmter Rabbi mit der Schwester des Gehei msekretärs sich verehelichte. Jung und Alt war im Festgewande, Alles stand vor der Synagoge, uin den Hochzeitszug zu sehen. Maimuni hätte diesen Tag gern so geräuschlos als möglich gefeiert, doch die Gefühle der Liebe und Verehrung gegen ihn,stießen sich nicht zurilckdrüngen. Der Gemeindevorstand hatte beschlossen, die Ältesten und Angesehensten der Stadt bei einem frohen Festmahle zu vereinen, und die Familienfeier nahm dadurch unversehens den Charakter eines Gemeindefestes an. Man sah bei diesen» feierlichen Anlasse, welche Hochachtung und Ehrerbietung dem weisen Manne von allen Seiten gezollt wurde. Von Nah und Fern liefen Huldigungsschreiben ein, brachte mau ihm Ehrenbeizeigungen und Geschenke dar. Selbst die Frau des Sultans, in deren Diensten Abulmaali stand, die Mutter des späteren Sultans Alafdhal, soll einen schmeichelhaften Glückwunsch nebst einem Geschenk gesandt haben. Hoch und Niedrig, Arm und Reich nahm innigen Antheil. Aus den erleuchteten Sälen erscholl rauschende Musik; Tanz, Spiel und Gesang wechselten ab, Männer und Frauen, Knaben und Mädchen tummelten sich vergnügt und lustig bis i» die späte Nacht hinein. — Bezaubert vom Schimmer des Festes und trunken von den zahlreichen Huldigungen, die besonders ihrem Gatten dargebracht wurde», sagte die junge Frau beim Eintritt in ihre mit Blumen und Gnirlanden reich geschmückte Wohnung: „Ich will es versuchen, geliebter Mann, die Ehre und den Glanz, welchen dein berühmter Name über meine verdienstlose Person verbreitet, durch weibliche Tugenden, eheliche Pflichttreue und Innigkeit zu verdienen." „Sprich nicht allzubescheiden von unverdienten Ehren", wehrte er ab, zärtlich ihre beide Hände fassend, „du bringst Glanz und Freude in mein ver-