Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1881)
- Date
- 1881-10-01
- Page
- Seite 236 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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lieber den Heftiben Streit um die Sache hat Mit- und Nachwelt unterlassen, Näheres über die Person des Maimonides, besonders über die Familien- Verhältnisse desselben zn berichten. sJhtr spärliche Quellen führen uns in die inneren Vorgänge seines Hauses. Wir wissen nicht einmal, wann und wo er seine erste Frau geheiratet und verloren hat — denn er scheint schon verheiratet gewesen zu sein, Frau und Kinder verloren zu habe», und jetzt Wittwer und kinderlos zu sein — auch nicht, wann seine Schwester, welche die Gattin eines hochgestellten Mannes, des Geheimschreibers im Palaste Saladins, Abulmaali, wurde, ihre Ehe geschlossen hat. Eines Tages besuchten ihn die Schwester und Abulmaali; ihre Gespräche führten sie auf die Hofneuigkeiten. Unter Anderem sprachen,sie voll Begeisterung von dem großen Sa ladin, von seinem Edelmuth, seiner Gerechtigkeit und Wahrheitsliebe. Freund und Feind, Jude und Muselmann priesen seine ritterliche Gesinnung, seine Duldsamkeit und Milde, und in seinem Reiche fänden auch überall die verfolgten Glaubensgenossen Schutz und Zuflucht. "Hast du nicht von dem Vorfälle gehört," sagte die Schwester, „welcher jüngst wieder sein Gerechtigkeitsgefühl in ein schönes Licht setzte? Ein Jude wagte es bei einem Spaziergange des Sultans, ihm frei ins Gesicht zu sagen, er habe gegen ihn gewaltthütig gehandelt. Das kann nicht sein, rief Saladin barsch. Er ließ sich nun ruhig die Angelegenheit voll dem Juden vortragen, welcher betheuerte, Diener des Sultans hätten in dessen Namen ihm zwanzig Last Wein, die er von Alexandrien nach dem Hafen von Akko bringen ließ, weggenommen. Der Sultan untersuchte genau die Sache, und als er die Beschwerde begründet fand, befahl er sogleich, dein Beraubten den Schaden vollständig zu ersetzen." „Gerecht und doch wieder nur billig," bemerkte der Gatte. „In solchen schweren Zeiten ist Billigkeit für uns achtungswürdige Gerechtigkeit." „Es hängt viel davon ab" meinte Maimuni, „ob ein Ha man oder Morde chai Minister ist. Sein Vezier Alfadhel ist ein Muster von Edelmuth, ganz Kopf und Herz." „Ein edler Sultan," entgegnete die Schwester, „wählt auch einen edlen Vezier. Aber lassen wir die Staatswirthschaft, sie ist in guten Händen, und sprechen wir ernstlich von deinem Hauswesen, da herrscht ja eine grüllliche Unordnung. Seit dem Tode der lieben Mutter und meiner Verheiratung stehst du wirklich einsain und verlassen, wie jener Wüstenbaum, von dem dir einmal in der Fieberspitze geträuint hat." „Einsam tvohl nicht, denn ineine Ämter und die. Bücher beschäftigen mich vollauf, ich könnte eher über Mangel an Zeit, als über Langeweile klagen; die Unordnung jedoch ist mir allerdings zuwider." „Nun, da kann ja abgeholfen werden, lieber Bruder." „Du scheinst ja heute bei mir die Rolle einer Ehevermittlerin spielen zu woll n." „Wenn ich noch so jung und anmuthig, wie Abulmaali's Schwester wäre," schertzte sie, „würde ich wahrlich für einen so alten Mann, wie du bist, nicht schwärmen." „Wäre die gute Schwägerin hier, sie würde dir wegeil solcher Lästerreden grollen." „Oder danken," spöttelte sie und beobachtete dabei scharf ihren Bruder.