Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1881)
- Date
- 1881-10-01
- Page
- Seite 231 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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231 und Rücksichten fallen lassen und sich freudig zusammenschaaren, um für dieselbe einzustehen mit Treue und Wahrhaftigkeit? ' Meine Brüder suche ich! ruft so mancher edle Vorkämpfer des Judentunis aus, meine Brüder will ich suchen; es muß doch noch wol Männer in Israel beben, denen das Judentum nicht gleichgiltig ist, die mit gleicher Wärme, mit gleicher Überzeugungstreue für unsere erhabene Lehre einstehen. Doch er ruft undruft und mag noch so lallt seine Stimme erheben, auf Antwort wartet er vergebens, höchstens kann er hören, wie sie höhnend einander zuraunen: da kömmt ein Träumer dahergegangen, der wol gar wunderliche Gedanken in seinem Kopfe herumtragen mag! Der soll unser Bruder, oder, wie er sich's wol denken mag, unser Führer sein? Nein! Brauchst dich um unser Wol nicht zu kümmern; es fehlt uns auch nichts, wenn du nicht da bist bei uns! Doch das wäre noch nicht das Allerschlimmste. Josef, der seine Brüder suchte und ihnen ein Hüter und Wegweiser sein wollte, mußte das noch härter büßen. Als die Söhne Jakobs sahen, daß Joseph allein bei ihnen war, da dachten sie, er ist ja doch nnr allein und kann sich mit aller seiner Weisheit nicht gegen uns wehren; wir sind doch da alle zusammen, Rüben, Simeon, Lewi u. s. w. was brauchen wir uns seiner Pläne wegen weitere Sorge zu machen? Wir haben jetzt die beste Gelegenheit dazu, ihn aus der Welt zu schaffen. Nun da waren einige, die meinten, man könne das geschickter anstellen, man brauche an den Joseph gar nicht Hand anzulegen, man wirft ihn bei Seite in eine Grube hinein, wo er seinem eigenem Schicksale überlassen ist; mag er dann selbst zusehen, wie er sich in seiner Hilflosigkeit fortbringt; ja Rüben wollte so viel Erbarmen haben, zuvor in dieses böse Vorhaben mit einzustimmen, dann aber in Edelmut sich des hilflosen Joseph zu erbarmen. Verstoßen und geknechtet werden, das war noch das günstige Geschick, mit dem es endlich da für Joseph abging. Meine Brüder suche ich, Männer, die treu zusammenstehen, um das Licht der Erkenntniß in Israel zu hüten und der Stimme der Wahrheit in seiner Mitte Gehör zu schaffen. Genug traurig, wenn ein solcher Ruf ungehört, unbeantwortet bleibt, wenn diejenigen, die in Israel das Bessere anstreben, vereinzelt bleiben und vergebens nach Gesinnungsgenossen sich umsehen! Noch trauriger aber, wenn die Einigung und Verbindung, der man, wo es für das Bessere einzutreten gilt, alle möglichen Bedenken und Hindernisse entgegensetzt, sich sofort vollzieht, >venn verwerfliche Bestrebungen gekräftigt und ins Werk gesetzt werden sollen oder wenn, um init Jakob zu sprechen, Simon und Levi, die sonst gar nichts mit einander gemein haben, Brüder werden, um gemeinschaftlich Gewaltthat zu üben und die Waffen des Frevels führen, durch die das Gute bekämpft und niedergeschlagen werden soll. Nein! Das ist die Einigung, die nur erfreuen und beglücken kann! Um meiner Freunde und Brüder willen wünsche ich dir, Israel, den Frieden, wünsche, daß du der Segnungen des wahren Friedens dich erfreuen mögest, daß du, wie der Prophet sagt, seiest gleich einem wohlgepflegten Garten, der von fleißiger Hand getränkt und bewässert wird, auf daß es ihm nicht fehle an rvürzigen Blüten und duftigem Wohlgeruch, und daß du ferner seiest gleich einem Quell, dessen Stroin nicht versiegt, und dessen Wasser nicht getrübt ist, daß jene Eintracht in deiner Mitte herrsche, die in der Rechtlichkeit und Wahrhaftigkeit begriindet ist und dir Heil, Ehre und Segen verschaffet. Brüder lasset uns sein, denn wir sind Kinder eines Gottes. Welch' eine Liebe wird vorn Herrn Euch bewiesen, Israeliten, lehren unsere Weisen, ihr werdet