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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-10-01 · Heft 10 (1.10.1881) · p. Seite 230

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 10 (1.10.1881)
Date
1881-10-01
Page
Seite 230 (sequence 6)
Language
German
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230 würde dir auf's Haupt setzt, und jene Eintracht in deiner Mitte herrschen, bei der Alle an der Erfüllung des hohen Berufes Israels in Treue und freudiger Hingebung zusammenwirken zu unserem Heile, zum Segen der Menschheit! Dem Wunsche für den Frieden Jerusalems fügt der heilige Sänger noch eine Erklärung des Zweckes hinzu, dem die Erfüllung desselben gelten und zu gedeihlicher Förderung gereichen soll. „Um meiner Brüder und Freunde willen entbiete ich den Friedensgruß, erflehe ich von dem Herrn dein Heil." An wen er wol bei diesen Worten gedacht haben mag? tver >vol die Brüder und Freunde gewesen sein mögen, um deren willen Jerusalem ihm des himmlischen Segens so besonders wert erschienen ist? Gewiß hatte er es nicht anders erwartet, als daß er in der Hauptstadt Jnda's, von der das Wort des Propheten gilt, „denn von Zion wird die Lehre ausgehcn und das Wort Gottes von Jerusalem," auch Männer antreffen tverde, die von derselben liebevollen Begeisterung für Israel und seine Lehre beseelt sind, wie er selbst sie im Herzen trägt, Männer von hohem Streben und edlem Sinne, denen es heiliger Ernst ist mit ihrer Wirksamkeit zur Berherrlichung des Judentums, Männer, die die Weisheit hochschätzen und dem Bolke leuchtende Borbilder an Tugend und Seelengröße sind, die glaubte er sicherlich dort anzutreffen, darum begrüßt er sie von Bvrneherein als seine Brüder und Freunde, und freut sich, daß es bald auch ihm gegönnt sein werde, in ihren Kreis einzutreten, sich ihnen anzuschließen und mit seiner Theilname ihre segenvolle Wirksamkeit zu mehren und zu fördern. Um ihrer Willen wünscht er Jerusalem den Frieden und das Wolergchen, denn was Hütte die Eintracht für einen Zweck, wenn nicht höhere Bestrebungen auf ihrem Boden zur gedeihlichen Entfaltung gelangten? Was bedeutet alles Heil und Wolergchen, wenn dabei das Geistesleben verfällt und das edlere Menschtnm sich in leeren Tand verflüchtigt? Das wäre wahrlich für Israel ein schlechter Friede, der weiter nichts bezweckte, als daß da jeder ruhig seines Weges dahinziehe, unbekümmert um das, was das Heil der Gesammtheit betrifft, und am schlechtesten käme bei einem solchen Frieden das Judentum selbst weg, die jüdische Religion, die jüdische Wissenschaft; die gingen dabei vielleicht ganz leer ans, wenn nicht noch ein Rest von Anstandspflicht da wäre, durch die eine gewisse Rücksichtnahme für sie gefordert wird. Der eigentliche Zweck der Einheit Israels ist der, daß eine gleiche hohe Gesinnung nies vereint, daß wir als Glaubensbrüder in einer geistigen Verwandtschaft zu einander stehen und die Erhaltung und Verherrlichung unserer Lehre als unsere gemeinsame Aufgabe betrachten. Die Gemeinden Israels sind nicht U n terst ütz ungs gesell sch asten, die nur dazu gestiftet sind, daß wir unsere Armen beschenken, unsere Kranken pflegen, unseren Bedrängten zu Hilfe kommen, sie sind zuerst, zunächst und zuoberst Pflanzstätten des jüdischen Geisteslebens, Heimstätten des jüdischen Gottessinnes, und wenn sie das nicht sind, dann haben sie vor anderen menschlichen Bereinigungen nicht viel voraus; ja es würde dann durch sie unnützerweise ein besonderes israelitisches Volkstum erhalten werden, das gar kein Recht des Bestandes hat, wenn es nicht auch von dem Geiste der israelitischen Lehre beseelt und durchdrungen ist. Was ist es nun gegenwärtig mit dem jüdischen Geistesleben, das die Entfernten einander annähert, die Getrennten mit einander befreundet durch lichten Aufschwung der Gedanken, in inniger Berührung der Gefühle und Gesinnungen, und das als die Grundlage des wahren Friedens in Israel sich erweiset? wo sind die Brüder, wo sind die Freunde, die, wo es die Sache des Judentums gilt, alle kleinlichen Bedenken

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