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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-10-01 · Heft 10 (1.10.1881) · p. Seite 229

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 10 (1.10.1881)
Date
1881-10-01
Page
Seite 229 (sequence 5)
Language
German
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229 so daß unsere Kinder da irgend ein vernnstaltetes Zerrgebilde unserer Lehre erhalten und im Namen des Judentums alles gelehrt wird, nur nicht wahres Judentum? Ob Israel, seitdem es in Palästen' wohnt und die großen Städte bevölkert, überhaupt noch wie ehedem als ein Ganzes dasteht, das von einem Geiste beseelt, von einem Gedanken getragen ist, so daß jeder von demselben durchdrungen ist und sich daher verpflichtet fühlt, für seinen Theil an der Erfüllung der gemeinsamen Aufgabe mitzuwirken, das steht sehr in Frage. Man macht heutzutage viel Rühmens von dem Frieden in Israel, aber fragen wir uns einmal, was das für ein Frieden ist? Besten Falls ein Friede der Lässigkeit und Gleichgiltigkeit, eine Friede der inneren Erstorbenheit, der freilich nicht leicht gestört werden kann; denn wo kein Leben ist, woher soll da der Kampf kommen? Aber es ist noch etwas viel Schlimmeres an diesem Frieden in Israel. Es ist oft nur ein Friede der Lüge, der Fälschung, der Gesinnungslosigkeit, der Gottlosigkeit, dessen wir uns da zu erfreuen haben; ein Friede, der mit dem Verrate an der heiligen Sache des Judentums im Bunde steht, ein Friede, durch den die verhaßte Wahrheit unterdrückt und begraben werden soll! Ein Friede, bei dem man sich das Vergnügen machen kann, mit der Religion, an der man sonst gar nichts hat, ein schnödes Spiel zu treiben; bei dem sie zu einer Waare wird, die nian nach dem Gewinne, den man durch sie erzielen kann, bemißt und somit Gelegenheit hat, die edle Rechenkunst, von der inan ben ausgiebigsten Gebrauch macht, uin der Verschwendung für das Nutzlose durch die Sparsamkeit nach der entgegengesetzten Richtung hin ein Gleichgewicht zu bieten, im Dienste des Judentums zu verwerten! Ist das der Friede,, der Israel beglückt? Nun soll angeblich das Recht einen solchen Frieden erheischen, wir wissen es aber auch, was es in gewissen Kreisen mit dem sogenannten Rechte auf sich hat. Da bewahre uns Gott davor, daß das, was manchmal da Recht genannt wird, in aller Menschheit als solches gelte! es müßten sonst bald die Zeiten kommen, in denen man es wie eine Wundermähre erzählen wird, daß einmal Männer auf Erden gewesen sind, die jo etwas wie sittlichen Ernst, Redlichkeit der Gesinnung und reinen edlen Eifer für das Gute besessen haben. Wenn in der Gegenwart die Gesinnungslosigkeit uns vereinen soll, nachdem es nicht mehr der Druck des Elends ist, der uns zusammenhält, dann ist es schwer zu sagen, wie wir denn noch vor der übrigen Menschheit den Fortbestand des Judentums rechtfertigen wollen. Israel ohne Gott, ohne Glauben, ohne Wahrheit, ohne Religion wäre ein Fluch der Menschheit, wie die Lehre, die unsere Väter mit hingebender Treue bewahrt haben, ihr stets ein unerschöpflicher Quell des Segens war und allezeit bleiben wird. Nicht als eine V o l k s g en o s s e n s ch a f t, die über die ganze Erde zerstreut und durch irdische Lebensbeziehüngen verbunden ist, kann Israel seinen Bestand' wahren, sondern als eine G l a u b e n s g e m e i n d e muß es dastehen, die durch den erhabenen Gottes gedanken und den in That und Gesinnung sich bewährenden Gottessinn verbunden ist. Nur in dein Geiste Israels liegt die mächtige Wurzel seiner Einheit. Der Geist unserer Lehre war es, der unsere Vorfahren mit jener wunderbaren Ueberzeugungstreue, mit jener hingebenden Anhänglichkeit an die Gesammtheit Israels beseelt hat, daß sie eher alle Schmach und Erniedrigung ertrugen als daß sie ihre heiligen Glaubensschätze Preisgaben, und dieser Geist allein ist es, der uns niit der Erkenntniß der Wahrheit auch jenen Frieden schaffet, durch welchen Jsrael's Heil gefördert und gefestigt wird. Nun so »vollen wir den Wunsch des Dichters verstehen und verwirklichen. Bist du Israel mächtig und angesehen, dann möge auch noch jener Friede dich begliicken, der die Krone der Geistes-

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