Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1881)
- Date
- 1881-09-01
- Page
- Seite 223 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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223 Bücherschau. Grillier, Christ »nd Israelit. Ein Friedenswort zur Judenfrage. Reichenbach i. Schl., Heege u. Güntzel. 1880. — Derselbe, der neue Sturm in der Jndenfrage. Roch ein Friedenswort. Eben da. >880. — Besprochen von L. Rost, Pfr. Es ist ein Zeichen erwachter Religiosität und Gereckstigkeit, wenn betreffs der tiefbeschämenden Judenhetze christliche Pfarrer zum Frieden sprechen und die Tugenden der Israeliten betonen; christliche Pfarrer, welche lange Jahrhunderte hindurch in Karfreitagspredigten und sonst ihre Gemeinden so oft aufstachelten gegen die jüdische Minorität. Ja, es ist anders geworden seit dem Mittelalter, auch in Beziehung auf das Verhältniß zu Andersgläubigen! Wohl leben noch hundertjährige, christliche Siebenschläfer, die alle Wahrheit bei sich selbst, allen Jrrthum bei den Anderen wähnen; die als der Ursprung des vermeinten Jrrthunis den bösen Willen angeben, und die sich nicht scheuen, mit versteintem Herzen die Masse zur alten Barbarei der Fäuste aufzuhetzen. Aber gerade in solcher Zeit auch treten ihnen Männer entgegen mit der edlen Gesittung des Geistes. Zu ihnen gehört der zweite evangelische Pastor zu Reichenbach in Schlesien, B. Gruber: Friedensworte will er ans Gewissenspflicht hineinrufeu in den wüsten Ueberfall. Die erste Schrift des Verfassers trägt das Motto: „Wenn ich mit Menschen- und mit Eugelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle" (1. Cor. 13, 1). Es giebt Dinge, durch welche Christen und Juden vereint sind, so führt der Verfasser aus: Jesus stammt aus dem Judenthum; Israel ist auch für uns Christen das Vorbild im Vertrauen auf Gott; der Glaube Israels in Gesetz und Propheten ist zugleich ein großes Stück des christlichen Glaubens. Darum mahnt Gruber die Christen gegenüber den Juden: „Herberget gerne!" Freilich sind, wie der Verf. fortfährt, Christen und Juden auch getrennt: Moses war Prophet; Christus war Prophet und erscheinender Gott' und ist anznbeten. Diesen Glauben an Christus hat Israel verworfen; mögen die Juden nicht fluchen und nicht spotten über den Christenglauben. Einst wird auch ihre räthselhafte Religionsgemeinschaft christlich werden; bis dahin mögen die Christen sie dulden, tragen, achten, lieben. Dies der kurze Inhalt der ersten Broschüre. Er will nicht, daß die Christen Haß hegen gegen die Juden: er fordert Duldung, ja, Achtung und Liebe gegen sie, während er andrerseits die Israeliten erniahnt, den Christenglauben nicht anzugreifen. Kurz, er will gegenseitige Toleranz. Das ist ein schöner, friedreicher Ruf, und es gebührt dem Manne dafür Dank. Einiges in der Schrift ist freilich angreifbar. Als das Unterscheidende zwischen Christenthum und Judenthum wird angesehen die christliche Lehre von der Gottheit Jesu Christi. In den christlichen Bekenntnissen steht das allerdings zu lesen, in der Bibel nicht, Rur nach der Bibel aber will sich der Verfasser richten <p. 5)! Jedenfalls soll er nicht hoffen, daß solch unbiblische, ja, widerbiblische Lehre einst von den Israeliten geglaubt werde; von derjenigen Religionsgemeinschaft, die den Glauben an den Einen Gott als das Lebensbrod betrachtet, durch das sie ihre Kräfte erneut bis auf den heutigen Tag. Hier ist zugleich die Lösung des „Rüthsels," des „Geheimnisses" (p. 19), das der Verfasser nicht begreift an Israel. Er hat sich selbst den Weg der Lösung verschüttet; denn er