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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-09-01 · Heft 9 (1.9.1881) · p. Seite 224

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 9 (1.9.1881)
Date
1881-09-01
Page
Seite 224 (sequence 24)
Language
German
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224 spricht Widersprüche über die Juden. Er sagt/ sie seien als Geistesmacht untergegangen (p. 18); und doch meint er, daß jenes große Stück, in dem christlicher und jüdischer Glaube übereinstimme, die Israeliten bis heute befähigt habe zum Idealismus, zur Hervorbringung von Sittlichkeit, Kunst, Wissenschaft (p. lOff), daß aber bis heute die Israeliten eine Geistesmacht seien. Und da die Inden heute noch bestehen, und wenn Gruber das Bestehen derselben ein Räthscl nennt, so muß er als seine eigentliche Meinung die hegen, daß sie als Geistesmacht untergegangen seien, und zwar untergegangen in Folge ihrer Verwerfung des Glaubens an die Gottheit Jesu Christi. Daher auch das zahme: „Duldet sie!" „Herberget gerne!" Man herbergt einen zeitweilig sich anfhaltenden Gast, einen Fremden, der nicht zum Hause gehört. Als Gäste und Fremde aber die Juden zu betrachten, das ist keine sehr hohe Stufe der Menschenliebe. Gruber wird ja freilich meinen, daß die Juden Fremde seien nicht im deutschen Staat, sondern in der christlichen Kirche, in der christlichen Gemeinschaft. Aber hier ist zu unterscheiden! Die Juden sind der christlichen Kirche fremd, sofern dieselbe unbiblische, richtiger: widerbiblische, Lehren ausgenommen hat; sie sind ihr geneigt, sofern sie das reine Gotteswort zur Grundlage hat. Der christlichen Gemeinschaft aber sind die Juden nicht fremd; denn die Gemeinschaft, das Leben der Sittlichkeit in allen reinen Religionen dieselbe und dasselbe. Viel schöner klingt Grubers Schlußwort: „Achtet, liebt sie!" Wenn nur nicht auch hier der Gedanke im Hintergrund stände: weil sie sich einst zum Christenthum bekehren werden (p, 23. 19); weil sie volle Deutsche werden sollen, d. h. Christen, da unser Dentschthum Christenthum ist (p. 6). Nein um ihrer selbst willen, als Solche, sollen die Juden geachtet werden! Freilich dann, wenn sie auch ihrerseits nur die reine Religion hochhaken, mit Ausschluß aller für religiös ansgegebnen willkürlichen Satzungen, in denen man es so oder so halten mag, wenn man nur nicht der Meinung ist, eine Handlung der Frömmigkeit damit auszuüben. Wozu Gott die Israeliten mitten unter den Christen erhält als ein vielfach sich abzweigendes und doch von einem Mittelpunkt ausgehendes uraltes Gebirge'? Vielleicht deßhalb um Christen und Juden täglich vor Angen zu halten: „Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erwerben;" um Beide vor Rayendünkel zu bewahren! und vielleicht, um sie erkennen zu lassen: „In allerlei Volk, tver Gott fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm"; um Christen und Juden zur Vermeidung des religiösen Dünkels anzuleiten; kurz, um Beide dahin zu führen, von einander zu lernen und zu wetteifern in guten Werken. Religiöse Gleichachtung jedes aufrichtig frommen Menschen ist sittliche Pflicht. Daraus entsteht das liebende Verstündniß für abweichende Meinungen und Gebräuche, selbst da, wo sie religiös fehlerhaft sind; darum die Geneigtheit, Besseres anzunehmen. Wenn es also auch einen höheren Standpunkt giebt als derjenige ist, den Gruber einnimmt, so wollen wir ihn, doch herzlich danken, daß er ein Friedenswort in das Getöse hineingerufen, und daß er gleich im Anfang seiner Rede die echte Liebe als das Höchste hingestellt hat. Inhalt: Das Hebrew Union College in Cincinnati. — Geschichtsbilder Bon vr. M. H Fricdländer. (Fortsetzung). - Maimonides. (Fortsetzung). - Bücherschau. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber: Dr. Adols Brüll: Verlag von Franz Benjamin Auffarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein) säinmtlich in Frankfurt ain Main.

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