Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1881)
- Date
- 1881-09-01
- Page
- Seite 221 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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221 Als der greiße Maimun verschiede» war (1166), da konnte man sehen, welchen Ruf die Familie in der alten Heimat znrückgelassen. „Es hat meinem Herzen wohl gethan", schreibt Maimun unter Anderen an seinen Freund Jephet in Akko, „aus den entferntesten Ländern, aus Spanien und Afrika Trostschreiben empfanden zu haben/' Nach Beendigung der vorgeschriebenen Trauerzeit drückte Moses krampfhaft dem jiingern Bruder die Hand, und während eine Thräne über seine Wangen rollte, sagte er: „Wir müssen uns ermannen, David, die Sorge für unsere Familie erheischt es. Der König David, dessen Namen du trägst, sprach: Solange noch das Kind lebte, fastete ich und weinte; denn ich dachte, wer weiß, der Herr begnadigt mich, daß es lebe. Nun aber, da es todt, was soll ich mich kasteien? Kann ich es wieder zurückbringen'? Ich gehe zu ihm, aber es wird nicht zu mir znrückkehren. — Du bist fleißig, auch ich will mir einen Erwerb verschaffen, und Gott wird unserer Hände Werk segnen. Du weißt, ich habe von jeher Neigung zur Medizin gehabt inid habe auch einiges Berständniß dafür; vielleicht gelingt es mir, hier damit manche Einkiinfte zu erlangen." „Und wenn wir nur für uns streben, was sind wir?" fiel David ein, „du hast selbst diesen Satz aus den Sprüchen der Väter in deinem Mischnacommentare dahin erklärt, daß wir verpflichtet sind, auch für die Seelenerhebung Sorge zu tragen, nicht nur dem Leibe, sondern auch dem Geiste Nahrung zuzuführen. Du klagst nicht mit Unrecht über die Geistesarninth unserer Glaubensgenossen hier zu Lande; wohlan! der Weise, heißt es, muß den Einfältigen den Mund öffnen, du darfst deine Kräfte nicht schlummern lassen und durch Brodsorgen sie schwächen. Der Juwelenhandel, den wir betreiben, nährt uns leidlich; ich will ihn noch mehr ausdehnen, will Reisen zu Wasser und zu Lande unternehmen, nur laß deine Feder nicht rosten. Beginne, wie es deine Absicht ist, unsere verworrenen und mißverstandenen Traditionen, die ganze Gemara, systematisch zu ordnen und dem Volke mundrecht zu machen. Du wirst dadurch Allen Talmudbeflisseuen einen hohen Dienst erweisen und den Vater im Grabe erfreuen, wie du sein Herz mit dem Sirag' (Mischnaerklärnng) erquickt hast, an dessen letzten Seiten du jetzt schreibst." „Du denkst brav, mein Bruder, würdig eines Maimun, der von spanischer Grandezza und zugleich fleißig wie der niedrigste Arbeiter ist. Du machst der Erziehung unseres gelehrten und wackeren Vaters Ehre, der uns fromme und vortreffliche Lehren, streng nach dem Schriftwort, wo er ging und stand, zu Hause und ans der Reise, früh und spät eingeschürft haü Dein Vorsatz ist edel, doch glaube ich. neben der praktischen Ausübung der Heilkunde noch Zeit für gemeinnützige Zwecke, zur geistigen Hebung und Belehrung unserer Brüder übrig zu haben. Es wird wohl auch noch lange dauern, bis ich hier im fremden Lande Vertrauen und Kundschaft finde und durch den ärztlichen Beruf meine Zeit zu sehr in Anspruch genommen wird." Die Brüder lebten hierauf einige Jahre zurückgezogen und friedlich, Mojes im Dienste der Wissenschaft und wie voranszusehen war, von der medizinischen Praxis wenig abgezogen, David als verständiger und umsichtiger Leiter des Geschäfts; er gab dem vom Vater übernomnienen Juwelenhandel eine größere Ausdehnung, machte Reisen bis nach Indien hin und ernährte die Familie ausreichend, wenn auch nicht ohne Blühe >md Anstrengung. Aber auch diese schwachen Sonnenstrahlen sollten bald von schwarzen Wolken verdüstert werden. Das echte Gold wird im heißen Schmelztiegel geläutert, im scharfen