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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-09-01 · Heft 9 (1.9.1881) · p. Seite 220

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 9 (1.9.1881)
Date
1881-09-01
Page
Seite 220 (sequence 20)
Language
German
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220 zu benetzen, das von Hitze und Staub ermattete Haupt im Schatten der Terebinthen und Olivenbäüme niederzulegeu und sich neu zu stärken." Es brach der Abend herein, und sie gingen den Hügel hinab und beteten an der noch vorhandenen Mauer des einstigen herrlichen Tempels, und ein himmlischer Friede zog in die Gemüther der Betenden ein; alle Sorgen waren vergessen, jeder Kummer verscheucht. Das Abendroth vergoldete die Ruine, und unwillkürlich stieg die alte goldene Zeit mit dem salomonischen Glanze, die Zeit des großen Moses, der Richter und Könige, die Zeit der Propheten mit ihrer begeisterten Bildersprache, mit der zündenden Kraft ihrer erhabenen Reden, in ihrer Erinnerung lebendig auf. Ein geheimer Zauber hielt sie da stundenlang festgebannt. Als sie heimkehrte», sagte Moses: „Nicht ohne Grund heißt der alte Name dieser Stadt: Salem, Friede wahrlich, ein höherer Friede weilt an dieser Stätte und eine wohlthuende Gemüthsrnhe scheint in uns Alle eingekehrt zu sein. Sie verdient heute noch den Namen „heilige Stadt." Drei Tage lang streifte die Familie in den Straßen Jerusalems umher, auf den Höhen und Tiefen, welche die Stadt lieblich umrahmen, sie blickten gen Osten von einer Tiefe zur andern, bis zum Kessel des tobten Meeres hinab, dann jenseits des Wasserspiegels auf die Spitze des Pisga, von wo aus Moses das Land nur überblicken durfte. Im Norden des Salzmeeres breitete sich das Jordanthal aus, und von Osten nach Norden gewandt, schimmerten ihnen in der Ferne die Höhen des Gebirges Ephraim, unter ihm deutlich der Berg des Fluches, Ebal, und gegenüber der höchste Gipfel dieses Gebirges, Garisim, wo nach dem Einzuge der Israeliten der Segen über das Volk ausgesprochen wurde. Dann zogen sie nach Hebron, beteten einen ganzen Tag in der Höhle, welche Abraham von den Hethiten zunächst zum Begräbnißort seiner Frau Sara erstanden, und die nachher das geweihte Erbbegräbniß der Patriarchensamilie geworden. Die Stätte wird ebenfalls von den Anhängern der drei Religionen, Juden, Christen und Muhamedancrn in gleicher Weise verehrt. Von da aus endlich gingen sie nach Egypten und nahnien ihren dauernden Wohnsitz in Fostat. Punktes Capilel. Erst in Fostat beginnt jene wunderbare, geistige Krastenfaltung des Maimonides, welche ihn zum „Führer der Verirrten" erhob, zum „zweiten Moses", „den Gott zur Belebung des erschlafften Volkes erweckt hat". Erst von hier aus strahlte sein Geist in die entlegensten Striche, wo Israel kümmerlich sein Dasein fristete, von hier aus sendete er Trost und Rath den entferntesten Gemeinden. Sein Ruhm erscholl bald im Morgenwie im Abendlande, man pries seinen Namen, blickte verehrungsvoll zu ihm empor, und hoffte, er werde wie einst der große Moses sein Arm erheben, um den ermatteten Geist des Volkes zu beleben und ihm in Kampf und Noth zum Siege zu verhelfen. In den ersten Jahren zwar lebte er dort still und zurückgezogen, seine beständige Gesellschaft waren Kummer und Sorgen, seine ermuthigende Trösterin die Wissenschaft. David niußte sein Versprechen halten und mit aller Kraftanstrengung nicht nur den Bedarf seines Hauses, — er hatte sich mittlerweile verheiratet — sondern auch den der ganzen Familie herbeischaffe». Der Vater konnte ihm nicht mehr bcistehen, denn die Mühseligkeit und die Schrecknisse der Fahrt hatten seinen Körper völlig aufgerieben. „Ich habe immer gesagt" seufzte die Mutter, „man darf keinen alten Baum verpflanzen." Er siel einige Monate nach der Übersiedelung auf das Krankenbett, von dem er nicht wieder anfstand.

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