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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-09-01 · Heft 9 (1.9.1881) · p. Seite 218

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 9 (1.9.1881)
Date
1881-09-01
Page
Seite 218 (sequence 18)
Language
German
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218 eurer Person seitens meines Bruders wäre es p nnserm größten Vortheile, wenn wir euch als Reisegefährten gewinnnen könnten. Vor manchen biblisch denkwürdigen Punkten würden wir gleichgültig vorübergehen, wenn wir nicht einen gelehrten und ortskundigen Mann bei uns hätten, der uns auf die Sehenswürdigkeiten aufmerksam machte. Nicht wahr! Ihr habt die Güte, lieber Rabbi, mit uns zu reisen; versprecht ihr es mir?" „Ich sehe schon," sagte Jephet, „ich werde da nicht loskommen können und muß es möglich zu machen suchen. Was die Gelehrsamkeit anbetrifft, brauchst du keine besseren Führer als deinen Vater und Bruder; es ist hier jedoch allerdings rathsam, auch einen ortskundigen Freund an der Seite zu haben. Nun, wir werden sehen." Und zu David gewandt, sprach der Rabbi: „Ich muß von einem dauernden Aufenthalte in nnserm Lande abrathen. Hier leben unsere Glaubensgenossen ärmlich und mühselig. In Egypten dagegen ist ihre Stellung eine viel günstigere, da sind große jüdische Gemeinden; in Alexandrien wohnen etwa dreitausend israelitische Familien, ebensoviel in Vilbels, in Kahira zweitausend, auch Fostat (Alt Kahira) hat eine sehr bedeutende Gemeinde. Dort werdet ihr bestimmt eine freundliche Aufnahme und auskömmlichen Lebensbedarf finden. Zwar möchte ich euch nicht rathen, schon alsbald dahinzugehen. Egypten bietet in dieser Jahreszeit fiir einen Fremden einen traurigen Anblick. Es ist gerade die siebenwöchentliche Zeit der heißen ans dem Süden strömenden Winde. Die Hitze ist unerträglich, der Boden ist zerborsten und löst sich bei jeden: Windhauche in Staub ans. Das Grün der Auen ist fast ganz verschwunden, der Palnibanm allein behält in der Dürre sein grünendes Laubdach; Mai und Anfang Juni pflegen dort Pest und andere Krankheiten zu wüthen. Auch ist jetzt zuweilen der erstickend heiße, giftige Sanium höchst lästig und gefährlich. Der Fremde, der die Natur des Landes noch nicht kennt und keinen Schutz und kein Heilmittel für diese Widerwärtigkeiten weiß, kann denselben leicht erliegen. Erst Ende Juni beginnen die kühlenden Nordwinde zu wehen, die Nacht des siebenzehnten Juni, heißt die Nacht des Tropfens. Von dieser Zeit an kommen kräftige Regen vom Himmel, von welchen der Nil allmählig anschwillt, dessen Austreten den Egypten: Fruchtbarkeit und Fülle bringt. Der Nil ist ihr Ernährer, der sie reichlich mit Lebensmitteln versorgt. Oberhalb Kahira hat der noch ungeteilte, schöne Strom einen bezaubernden Reiz für das menschliche Auge. Wenn auch nicht mehr das fröhliche Gewimniel und Getümmel der mit den Gütern des Landes gefüllten Fahrzeuge, wie im Alterthum, seine Wasserfläche bedecken, und er nicht mehr, wie in der Pharaonenzeit, sieben Millionen Menschen ernährt und versorgt, so ist doch heute noch die Bevölkerung wohlhabend, und ihr werdet dort ohne allzugroße Mühe euren Lebensunterhalt finden. Gehet, wenn ich rathen darf, in: Herbste nach Fostat, wo ich Freunde habe, welchen ich euch empfehlen will. Die Stromauschwellungen in jener Jahreszeit und die Freude der Einwohner, daß der Nil wieder, wie ein gütiger Vater, seine reiche Hand weit aufthut, um seine Kinder zu speisen, machen das Land den: Fremden angenehm und wohnlich." — — Bevor die Familie Maimun in Fostat festen Wohnsitz genommen, begleitete sie Jephet nach den heiligen Orten. Mitte Oktober brachen sie auf und besuchten zunächst Jerusalem. Ihre Seelen erzitterten in Erwartung dessen, was sie sehen sollten. „Dort die Burg auf dem Gipfel jenes Hügels," uiachte sie Jephet aufmerksam, „ist die Davidsburg auf Zion."

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