Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1881)
- Date
- 1881-09-01
- Page
- Seite 217 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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217 Dichter sagt, er trage auf seinem Haupte den Winter, auf seinen Schultern den Frühling, den Herbst im Schooße, und der Sommer schlummere zu seinen Füßen, nicht die glänzenden Schneehäupter des Hermon mit den berühmten Cedernwäldern, nicht den Carmel abtragen, wo der Prophet Elia mit heiliger Begeisterung den Gott Israels gegen die Baalspriester verherrlicht hat, nicht den Tabor, wo die Prophetin Deborah das israelitische Heer zu Sieg und Ruhm geführt und ein herrliches Danklied angestimmt , hat, nicht die Gebirge Ephraim und Juda, die Berge Zion, Moria, den Ölberg hinwegnehmen; und auf der andern Seite des I o r d a n flusses Pisga, von dessen Spitze aus Moses das Land der Verheißung überschauen durfte, welches erst sein Jünger Josua den Hebräern erobern sollte. Es wird doch ferner Keiner die quellenreichen Hügel, die fruchtbaren Thäler mit ihren immergrünen Öl- und Lorbeerbäumen, Dattelpalmen, Pistazien, Mandeln, Feigen und Granaten verändern." „Oh, unser Schwesterchen macht mir mit den Granaten, Feigen und Datteln den Mund wässerig," rief David ans, der sammt den Eltern mittlerweile den Sprechenden sich genähert hatte, „sie lebt in dem glücklichen Wahne, das Land sehe noch gerade so aus, wie die heilige Schrift es uns schildert: ein Land des Weizens und der Gerste, des Weinstocks, der Feige und Granate, ein Land des Ölbaums und des Honigs, ein Land, darin du dein Brod nicht in Dlirftigkeit issest, wo dir nichts mangelt. . . . Damals war es allerdings voll trefflicher Weideplätze und hatte eine reiche Vegetation. Heute aber ist es durch unaufhörliche Kriegserschütterungen, durch Mißwirthschaft und zuletzt durch die wilden Kreuzschaaren halb verödet. Obgleich ich von meiner Kindheit an von Sehnsucht erfüllt war, es zu sehen, so glaube ich doch kaum, daß wir dort unfern Unterhalt finden werden und auf die Dauer den Wohnsitz aufschlagen können." —- Nach einer vierwöchentlichen Fahrt lief das Schiff am sechzehnten Mai in den Hafen von Akko ein. Die Stadt gehörte damals dem König von Jerusalem, Amalaih, war Hauptlandungsplatz der italienischen Seefahrer und Mittelpunkt des Großhandels zwischen dem Osten und Westen. In Palästina wohnten zu jener Zeit nur wenig Juden. Die christliche Herrschaft, welche durch die Kreuzzüge dort eingesetzt wurde, erwies sich gegen sie noch unduldsamer als die muhamedanische. In den Gebieten, welche in den Händen der Christen waren, wohnten kaum mehr als tausend Familien; in Jerusalem, das schon zu den größten Gemeinden zählte, nur etwa dreihundert Mitglieder. Sie lebten materiell wie geistig in einem sehr kümmerlichen Zustande. Selbst das Talmudstudium fand da nur weuig Pflege. Nur Akko hatte einige berühmte Lehrer, die Rabbinen Zadok und Jephet den Elia, die an der Spitze der Gemeinden standen und es auch bewirkt hatten, daß die Familie Maimun freundliche Aufnahme gefunden. In Letzterem fand die Familie, besonders Moses Maimonides, in kurzer Zeit einen wahren und warmen Freund. Als die Tochter dem Rabbi Jephet vorgestellt wurde, legte dieser beide Hände auf ihr Haupt und segnete sie: „Gott sei dir gnädig, mein Kind, er lasse dich werden wie Sara, Rebekka, Rahel, und Leah." „Amen!" antwortete sie, „dürfte ich, ehrwürdiger Herr, gleich mit einer Bitte beginneu? Unsere Sehnsucht, die Gräber der frommen Mütter, die euer Segen mir als Vorbild ans Herz gelegt, wie andere heilige Erinnerungsstätten zu besuchen, müssen wir so bald als möglich befriedigen und nach der Schilderung 18