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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-09-01 · Heft 9 (1.9.1881) · p. Seite 216

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 9 (1.9.1881)
Date
1881-09-01
Page
Seite 216 (sequence 16)
Language
German
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216 und im Vollgenusse des Glücks und Friedens lebten. Diese Leiden seien Israel, dem erstgebornen Sohne Gottes, an der Wiege vorherverkündet worden, und auch die verheißene herrliche Zukunft wiirde gewiß nicht ausbleiben, wenn es in Noth und Todt fest und standhaft bleibt. Es sei darum Pflicht unserer Stammesbrüder, in böser Zeit nicht zu wanken und zu schwanken, sondern sich festzuklammern an dem Leitseil, das Gott ihnen gegeben, an der Thora, deren Gebote und Vorschriften so viel als möglich zu beobachten und vor Vergessenheit zu bewahren, und täglich, wenn auch nur auf Augenblicke und in kurzen Gebeten zu ihm die Hände zu falten. Du kennst," so schloß Maimonides, „meinen Charkter so gut wie ich selbst, ich hasse alles Erlogene, alles Trügerische. Schein und Blendwerk im Leben wie in der Wissenschaft sind mir ein Gräuel; aber kannst du mir in solcher Lage einen bessern Ausweg zeigen?" „Ich sehe ein, lieber Moses," begütigte die Mutter, „daß ich mit dir in religiösen Fragen nicht streiten darf, du trägst uns geschickt auf eine wissenschaftliche Höhe empor, wo wir die weiterführenden Pfade nicht mehr finden. Wir wollen auch heute Abend friedlich von einander scheiden. Wir bedürfen alle nach der gestern durchwachten Nacht der Ruhe und des Friedens zu einein sanften Schlafe." Die Famielienglieder trennten sich und wünschten einander eine gute Nacht und eine glückliche Fahrt bis zum Ziele.- Viertes Capitel. Die weitere Fahrt ging glücklich von Statten. Als sie nahe am Ziele waren, sagte die Schwester zu Maimuui: „Du kannst es dir kaum denken, wie unruhig mein Herz schlägt, und wie ich vor Ungeduld brenne, das Land zu sehen, an welches sich so viele erhabene Erinnerungen knüpfen, und wohin die Anhänger dreier Religionen voll Ehrfurcht ihre Blicke richten. Ich habe mir manche langweilige Stunde auf der Reise dainit vertrieben, daß ich deine Rathschläge befolgte und mich anleiten ließ, eine genaue Kenntniß der Geschichte und Beschaffenheit desselben zu gewinnen. Zunächst lese ich die Bibel mit mehr Aufmerksamkeit als zuvor; denn wir werden doch ohne Zweifel die meisten von ihr erwähnten heiligen Stätten besuchen, die Gräber der Patriarchen in Hebron, den Berg Sinai, die Ruinen des Teinpels. . .?" „Vieles, liebe Schwester, wirst du freilich nicht mehr in dem Zustande finden," unterbrach sie Moses „wie du nach der biblischen Erzählung es dir vorstellen magst. Ueber den Gräbern in Hebron beispielsweise, welche noch zur Zeit der zweiten Tempelzerstörung in schönem Marmor kunstvoll gearbeitet zu sehen waren, erhebt sich heute eine christliche Kirche. Der berühmte Reisende Benjamin von Tudela, der vor fünf Jahren dort gewesen, erzählt, daß die Stadt heute zu Ehren des Erzvaters St. Abraham heiße und während der Kreuzzüge zu eineni Bischofssitze gemacht worden sei. Am Fuße des Berges Horeb, wo Moses den brennenden Dornbusch gesehen, liegt ein Kloster, von Justinian erbaut. Durch das neue Testament und die christlichen Legenden, sodann wie durch die Ehalifenherrschaft sind andere geweihte Erinnerungen hinzugekommen und alte Namen mehrfach verändert worden. So nannte Kaiser Hadrian die Stadt Jerusalem, welche er wiederherstellen ließ, Aelia capitolina und bei den Muhamedanern heißt sie in ihrer arabischen Sprache El-Kuds (die heilige)." „Aber die Berge, Thäler und Gewässer konnte doch Memand umbilden," erwiderte sie pathetisch, „nicht den Libanon versetzen, von dem ein arabischer

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