Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1881)
- Date
- 1881-09-01
- Page
- Seite 214 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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214 meine Glaubensgenossen in den Ländern, wo unsere Religion nicht geduldet wird, überreden werde, die Maske fallen zu lassen, damit sie,' wie er sich ausdrückt, ehrliche Muhamedaner werden. Es lag etwas Unheimliches in seinen Mienen, als er mir beim Abschied mit Nachdruck die Worte zurief: Vergiß uicht, daß ein Moslem dein Leben erhalten hat. Wir werden später noch von einander hören. Ich rechne auf deine Dankbarkeit. Diese Muhamedaner sind aus Gutmüthigkeit und Fanatismus .zusammengesetzt, zumal die bekehrungssüchtigen Seelenfänger. Ich glaube wir sind vor seinem Garne noch nicht ganz sicher." Moses hielt inne, bemt seinen Worten wurde nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Das allgemeine Tagesgespräch, die vergangene grauenvolle Nacht, verdrängte jede andere Unterhaltung, und jede Ablenkung führte unwillkürlich wieder darauf zurück. Als die Familie Abends vertraulich beisammen saß, fing David wieder au: „Seestürme gehörten von jeher zu den gräßlichsten Schreckbildern meiner Fantasie. Schon als wir vor fünf Jahren von Spanien auswanderten, hatte die Furcht vor Schiffbruch mich während der ganzen Ueberfahrt nicht verlassen. Ach! es muß entsetzlich sein, die tückischen Wellen über den Häuptern unserer Lieben zusammeuschlagen zu sehen und nicht das Geringste zu ihrer Rettung unternehmen zu können." „Wie edel! Hast du wirklich immer nur au uns und gar nicht an dein eigenes Leben gedacht?" sagte ironisch die Schwester. „Wenn ich aufrichtig sein soll," entgegnete der Bruder, „habe ich auch für mein Leben ein wenig gezittert. Wißt ihr, doch lachet mich nicht aus, woran ich diese Nacht mehrmals denken mußte? An den Propheten Jona in der biblischen Geschichte, wie er ins Meer geworfen, von einem Seethiere verschlungen ward." „Nicht übel," kicherte laut das Mädchen, „Bruder David im Leibe eines Walfisches! Wie selbstsüchtig! Du dachtest gewiß bei einem etwaigen Schiffbruche allein mit heiler Haut davonzukommen. Drei Tage, wie Jona, hangen und bangen in schwebender Pein, um dann durch ein Wunder wieder rmversehrt auf das Trockene gesetzt zu werden." „Euere müßigen Reden,,, siel die Mutter in ernstem Tone ein, „mögen nicht ohne wahren Kern sein. Wenn die Seeleute gestern, wie in den Tagen Jonas, Loose geworfen hätten, um zu erfahren, um wessentwillen das Unheil gekommen, auf wen, meint ihr, wäre das Loos gefallen? — Wahrscheinlich auf die Familie Maimun".' „Warum denn gerade auf uns?" riefen alle erschrocken und auf ihren Gesichtern malte sich Unruhe und Erstaunen. „Ihr habt wohl schon vergessen, daß wir fünf Jahre lang in Fez mit dem Heiligsten ein frevelhaftes Spiel getrieben, heimlich zu unserem Gotte und öffentlich zu Allah uns bekannt haben? Es hat mir tief ins Herz geschnitten, so oft ich ernstlich über unsere Verkappung nachgedacht, und wir können Gott nicht genug loben und preisen, daß er uns endlich von dieser Qual erlöst hat." „Gott sei Dank, wir sind null von diesem abscheulichen Zwitterzustand befreit, aber du übertreibst, liebe Mutter," beruhigte sie Moses, „wenn du glaubst, das hieße mit der Religion Spiel und Spott treiben." „Ich weiß es," erwiderte sie in aufgeregter Stimmung, „der Vater und du haben diese Mummerei stets beschönigt." „Entschuldigt, willst du sagen, liebe Frau. Dein Sohn," fügte der