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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-09-01 · Heft 9 (1.9.1881) · p. Seite 213

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 9 (1.9.1881)
Date
1881-09-01
Page
Seite 213 (sequence 13)
Language
German
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213 Es schieil jetzt, als ob der Herr diesen Schwur vernommen hätte und die Frömmigkeit des Schwörenden prüfen wollte. Zwar tönte es immer noch dunipf und hohl herauf aus den Tiefen des Meeres, noch pfiff der Wind durch das zerrissene Takelwerk, peitschte und schlug heftig den Schwall gegen die Fenster der Kajüte, irnmer noch walzten sich Wasserberge heran, schleuderten das Schiff wie einen Spielball empor und drohten, in ihrenl Sturze es zu zerbersten und Hunderte von Menschenleben zu begraben. Doch allmählig, obschon sehr langsam, nahmen diese rapiden Schwellungen ab; das Unwetter hatte seinen Höhepunkt liberschritten. Der Morgen dämmerte. Am bedekten Horizonte gewahrte man ein blasses Flimmern. Der Mond stand noch bleich und zitternd zwischen den sturmzeriffenen Wolken rmd mischte sein fahles Licht mit dem schwachen Tagesschimmer. Das Frühroth wekte hier fein schlafendes Auge, rief aber neue Hoffnungen lvach in allen Gemüthern; die ivenigen inatten Strahlen waren für die Unglücklichen Himmelsboten der Erlösung und Rettung. Die Beherzteren hatten nicht die Geduld, die Glücksverheißung aus dem Munde der Schiffsleute abzuwarten, sondern kletterten trotz des bösen Wetters hinauf auf das Deck und hielten sich an Stangen, Ketten und Tauen fest, um das grauenhafte Naturspiel gewissermaßen von Angesicht zu Angesicht zil sehen. Auch das Furchtbare, Gewaltige, Ungeheuere hat einen hohen Reiz für das menschliche Auge, es glaubt darin die Offenbarung der Allmacht in höherem Grade zu erkennen, als im Sanften und Lieblichen, vernehmbarer in zerstörender Sturmfluth, als im plätschernden Bach und im glitzernden Thautropfen, es glaubt sie deutlicher im rasenden Orkan und im heftigen Erdbeben wahrzunehmen, als im stillen Wachsthum auf Feld und Flur, ini schattigen Hain und duftenden Garten. — Zu den wenigen Beherzten gesellten sich bald mehrere. Sie ließen sich von Wind und Regen nicht zurückhalten, spähten unrher, als müßten sie die Ursache des Sturmes ergründen. In undeutlichen, schwachen Umrissen wollten sie nördlich die weißen, schneebedeckten Häupter von Sardinien gewahren, welche diese fürchterlichen Wirbel und Stöße ausgesandt. Noch einige Stunden hielt der Sturm in bedrohlicher Stärke an, dann hellte sich der Himmel auf, die Sonne strahlte durch, zerriß Dunst und Nebel, verscheuchte alle Wolken und auch die, welche über allen Gemüthern gelagert waren. Das feuchte, theilweise zerstörte Verdeck wurde schnell der Versammlungsort einer fröhlichen, überglücklichen Schaar. Da war ein Begrüßen, Plaudern, Jubeln und Jauchzen; die überstandenen Schmerzen und Gefahren wurden in tausend Variationen geschildert. Wolkenlos strahlte jetzt die Sonne, und ein sanfter Wind bewegte noch ini schwachen Wellenkreise das Meer. Die Tochter Maimuns stand regungslos und schaute unverwandten Blickes auf das rasch veränderte Seegemälde. „Wenn man", sagte sie zur Mutter und zu Moses, die hinzutraten, „in diese Purpurwellen, in die funkensprühende Flut blickt, möchte man es kaum glauben, daß das Meer in solch' entfesselter Wuth, wie heute Nacht, zu rasen und emporzuschäumen vermag." „Die Mutter scheint solche rasch wechselnde Bilder, plötzliche Umwandlungen zu lieben. Man kann dies auch bei den treuherzigen, sanften Menschen wahrnehmen," versetzte Moses, „sie pflegen fürchterlich aufzubrausen, ihre Leidenschaft kennt keine Grenzen, man erkennt sie kaum wieder in ihrem Zorne, in ihrer Rache. Dieser sonst gutinüthige Jbn-Moischa >var wie umgewandelt, als er merkte, daß ich meine Religion höher stelle als die seinige. Er scheint noch jetzt von mir zu glauben daß ich für den Jslaur Propaganda machen werde und

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