Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1881)
- Date
- 1881-09-01
- Page
- Seite 211 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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211 geharrt des Heils, die treu bewährten Frommen. 13) Die Tobten wird beleben Gott durch seiner Liebe Macht, drum seinem Namen für und für sei Ruhm und Preis gebracht." „Wie herrlich, wie wahr;" rief entzückt die Schwester, „und diese Wahrheiten bezweifelt der Vater? Ich muß ihn zur Rede stellen." „Vorlautes Kind!" verwies sie die Mutter, dein Väter ist frömmer denn wir Alle? du hast ihn gewiß mißverstanden. Aber gehen wir hinunter, es ist ja unvernierkt stockfinster geworden." Der Mond wurde von dichten Wolken verhüllt, und eine schreckliche Dunkelheit verbreitete sich über die Oberfläche des Wassers. Wieder zuckte em Strahl auf und erhellte mit seinem grellen Lichte den schwarzen Himmel und die weite Fläche des Meeres. Ein dumpfer Donnerhall erdröhnte, und ein scharfer Nordwestwind blies durch Segel und Takelwerk und brauste immer stärker über die grollenden Fluten- „Ein Sturm ist im Anzuge," rief es aus aller Munde; Bangen und Schrecken erfaßte die Gemühter, unruhig liefen die Matrosen, trugen Leitern und Stricke auf und nieder und schoben und stießen die Reisenden in die Kajüten. Immer heftiger enipörte sich das tobende Element, im Innern des Schiffes zertrümmerte ein jäher Stoß Tische, Bänke und Stühle; Kisten, Kasten und Körbe stürzten übereinander, Fenster, Flaschen und Gläser, erklirrten, Kinder schrieen, Frauen jammerten und rangen verzweiflungsvoll die Hände. „All' Mann an Deck! Alle Hände klar zum Reffen! Schließt die Speigaten!" scholl jetzt mächtig des Capitäns Commando in dieses Gewirr von Stimmen, Rufen und Klagen hinein. In wildem Tanze spritzten und rauschten die Wogen und schleuderten thurmhoch den Schaum empor. „Steht fest"! ertönte es von mehreren Seiten, „das Wasser schlägt herein uild reißt Alles mit sich fort, was nicht wie ein Baum eingewurzelt steht." Mechanisch streckte ein Jeder mühsam die vor Kälte und Nässe erstarrten Hände nach dem nächsten festen Gegenstand und klammerte sich krampfhaft daran. Aber es stürzte nicht über ihre Köpfe hin, sondern schlug gewaltig an die Wände des schwankenden, zitternden Bretterhauses, daß es ächzte und in allen Fugen krachte. Dann schien es wieder eine Weile, als ob die Heftigkeit des Unwetters nachließe und das Meer sich beruhigte. Doch diese scheinbare Windstille war nur wie das Athemholen eines kämpfenden Ungethüms, um mit verstärkten! Anlaufe gegen sein Opfer zu rennen und mit grimmiger Kanipfesgier es in Brust und Seiten zu packen. Das Meer schwoll noch höher denn zuvor, noch wilder raste und heulte der Orkan und übertönte das Jammern und Klagen der Angsterfüllten, das Stöhnen der Seekranken und das Wimmern der Verzweifelnden. Jede Lebenshoffnung war geschwunden. Nur das Schiffsvolk verlor die Besinnung nicht, strengte alle Kräfte an und arbeitete mitten im Wogengebraus mit jenem Gleichmuthe, den die Abhärtung und Gewohnheit erzeugt, und der dem Tode ruhig ins Antlitz schaut. Auch Maimun verzweifelte nicht; er und seine Kinder umstanden das Bett der bewußtlos daliegenden Mutter, sie blickten bald schmerzerfüllt zur Kranken hinüber, bald hoffnungsvoll zu Gott hinauf, Trost und Linderung im Gebete suchend, und sprachen andächtig den hundertsiebenten Psalm: „Danket dem Ewigen, denn er ist gütig, ewig währet seine Gnade. So mögen sprechen die Erlösten des Ewigen, die aus der Noth er hat errettet und die er aus den Ländern gesammelt, vom Aufgang und Niedergang, von Mitternacht und vom Meere. — In der Wüste irrten sie, in der pfadlosen Öde, eine Stadt zum Wohnsitze fanden sie nicht; sie irrten hungernd und diirstend umher, und ihre Seele verschmachtete.