Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-09-01 · Heft 9 (1.9.1881) · p. Seite 210

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 9 (1.9.1881)
Date
1881-09-01
Page
Seite 210 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969670-2969680--0224-2970631
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Historische ErziMnnq von Or. M. D e s s a u e r in Cöthen, design. Landesrabbiner zn Meiningen. (Fortsetzung.) Plötzlich sprangen Mutter und Tochter erschreckt auf. „Was war das?", riefen sie wie aus einem Munde. Ein Heller Strahl zukte durch die hereinbrechende Abenddämmerung, zerriß pfeilschnell die Wolken und erleuchtete deu fernen umdüsterten Horizont. Duvtpfes Murmeln und eine unruhige Bewegung entstand unter der Schiffsmannschaft. Der Steuermann blickte nach allen Seiten umher und schüttelte bedenklich den Kopf. Das Meer blieb ruhig; aber der Himmel wurde immer dunkler, und Moses mußte plötzlich seine Arbeit im Stiche lassen; er stieg deshalb hinauf, begrüßte Mutter und Schwester und sagte: ' „Ein starker Regen wird uns wohl bald vom Deck hmunterscheuchen. Vorläufig bleiben wir noch oben, unten-ist es unerträglich dunstig und schwül." „Siehst du, liebe Mutter, jetzt werde ich dir Freude machen und so ernst wie eine Großmutter sprechen", sagte die Tochter, „schon sechs Tage lang, seitdem wir auf dem Schiffe sind, will ich Moses etwas fragen und immer entwischt er mir. Setze dich her, lieber Bruder, und erkläre mir: waruin gefallen dem Vater deine dreizehn Glaubensartikel nicht? Ich konnte das nicht recht verstehen. Bor Allem aber mußt du mir natürlich sagen, wie sie heißen." Eben habe ich zu arbeiten aufgehört und soll nun wieder anfangen. Habe Erbarmen! Du bist ja Plötzlich schrecklich gelehrt geworden!" „Deine Schmeichelei macht mich nicht irre. Bah, Bah, so ein paar Sätzchen, es hilft dir kein Sträuben; wie heißen sie?" Moses begann: „Der erste Glaubenssatz muß notwendigerweise das erste Wort der zehn Gebote sein: Ich bin der Ewige dein Gott; er ist und bleibt ewig und feitet alle Geschöpfe; keine Zeit setzt seinem Dasein Grenzen. Den zweiten habe ich gegründet auf das wichtige Schriftwort: Höre Israel der Ewige unser Gott ist em einziges Wesen. Es giebt keine Einheit gleich der seinigen, und das Wesen dieser Einheit ist nicht zu fassen, nicht zu ergründen. 3) Ich glaube fest und jeder Israelit muß glauben, daß Gott kein Körper und keine Gestalt sei, kein Bildniß dürfe ihn darstellen, denn ihn faßt kein Bild und Zeichen. 4) Er ist Beginn und Urgrund aller Wesen, der Erste und der Letzte. 5) Der Schöpfer ist es allein, an den ein Gebet sich richten darf, an kein anderes Wesen sonst im Himmel oder auf Erden. 6) Aus seinem erhabenen Geiste hat er die Prophetie auf die Erkorenen erfließen lassen. 7) Wir müssen glauben, daß Moses der Vater aller Propheten, der Gotterwählte gewesen, dem gleich Keiner in Israel je erstanden ist. 8) Und seinein Volke hat Gott die ewige wahre Lehre verliehen durch seinen Herold, der bewährt in seinem Hause war. 9» Diese Lehre ist wandet los in Ewigkeit; sie darf mit keiner andern vertauscht werden, wie es heißt: Du sollst nichts hinzuthun und nichts davon nehmen. 10) Ich glaube mit voller Überzeugung, daß der Schöpfer d i e H a n d l u n g e n a l l e r M e n s ch enk i n d e r und a l l i h r e Gedanken kennt, und daß sein Auge über ihren Weg und Wandel wacht, ll) Er belohnt das Gute und bestraft das Böse. 12) Er sendet den Messias einst, wann erst die Zeit gekommen, zu lösen, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.