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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-09-01 · Heft 9 (1.9.1881) · p. Seite 205

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 9 (1.9.1881)
Date
1881-09-01
Page
Seite 205 (sequence 5)
Language
German
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205 Wissenschaft errungen haben. Nur eine richtige Erziehung und geregelter Unterricht sind im Stande, uns vorwärts zu bringen, und deshalb ist eine Anstalt, die das bezweckt, willkommen zu heißen. Der Redner zeigte dann, wie nur dadurch, daß man gegenseitig scharfe Kritik übe und bei Diseussionen über Streitfragen die Fehler, die gemacht wurden, rücksichtslos klarlege, Resultate in der Wissenschaft erzielt werden. Das sei, wie Coleridge richtig sagt, die wirkliche und wahre Toleranz. Diejenigen Gemeinden seien stets im Portheile, derer Führer auch wirklich fähig seien zur Führerschaft, und auch deßhalb sei die Gründung dieses College mit Freuden zu begrüßen. Hier werden die Lehrer des Volkes systematisch und gründlich dazu herangebildet, das Volk zu belehren, und von großer Wichtigkeit ist dabei, daß sie inmitten des Volkes dazu erzogen werden, welches sie belehren sollen, daß sie also dessen Charakter, Gewohnheiten und Sitten kennen und sich darnach richten können. Hier werden sie in einer vortheilhaften Verbindung des amerikanischen Geistes und ihres eigenen Glaubens erzogen. Mit seiner hohen Befriedigung, daß mit dem Ankauf des Gebäudes ein so großer Schritt in Bezug auf Förderung der Wissenschaften und der größeren Verbreitung besonders jüdischer und orientalischer Literatur geschehen sei, schloß der Redner. Der Chor des Mo und- Straßen- Tempels saug dann unter der Leitung des Herrn Andres den 20. Psalm und wurde stürmisch applaudirt. Dann wurde als der nächste Redner Rev. Dr. I. M. Wise, der Präsident des College, vorgestellt. Der Präsident gab zuvördest seiner Freude darüber Ausdruck, daß das College jetzt sein Heim "habe und sprach die Bewunderung für die Männer aus, deren unermüdlichem Eifer dieses erfreuliche Resultat zu danken ist. Es sei dies das erste Haus in den Ver. Staaten, das jüdischer Wissenschaft gewidmet ist, und seine Einweihung sei ein wichtiger Moment in der Geschichte des Judenthums in Amerika. Inmitten einer liberalen und fortschrittlichen Bevölkerung von Juden und Andersgläubigen, in der Mitte von Tempeln der Kunst und Wissenschaft, verspricht diese Anstalt segensreich nach allen Richtungen hin zu werden. Das College steht allen offen, die sich mit jüdischer Geschichte und Literatur bekannt machen wollen. Es wird kein Unterschied bei Aufnahme der Studenten gemacht, weder in Bezug auf Religion, Nationalität, Rasse oder Geschlecht. Und der Umstand, daß die Anstalt im liberalen Geiste der Freiheit und Toleranz gegründet wurde, erhöht die Freude über ihre Gründung. Die Bibliothek, die sie enthält, ist von großer Wichtigkeit. Es finden sich in derselben die Erzeugnisse des Wissens von der Wiege der Literatur an bis auf unsere Tage und sie zeigt uns die ununterbrochene Kette der Kultur-Entwicklung und der Entwicklung und der Entfaltung der Wissenschaft. Denn zu allen Zeiten waren Juden Lehrer der Nationen und sie lernten von allen Nationen, sie brachten Gelehrte hervor mit originellen Gedanken und Ansichten, die sie nicht nach den Völkern ummodelten, unter denen sie lebten, sondern die ihrem eigenen Gesichtspunkt entsprangen, den sie nie aufgaben. Ihre Werke umfassen alle Arten der Wissenschaft, Poesie und Religion und sie enthalten eine ungeheuere Masse von Thatsachen, Talent, Energie, die unerreicht blieben. Ohne die Kenntniß dieser Literatur lernen wir nie die Physiognomie der Menschheit und ihren Charakter recht verstehen. Diese Werke sind seit der Zeit der Humanisten im Mittelalter bis auf den heutigen Tag von den Gelehrten anderer Nationen in fremde Sprachen ,

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